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Hintergründe Störfälle

Was in Fukushima vermutlich geschah …

Die wesentliche Chronologie der Ereignisse im Einzelnen (nachträgliche Änderungen rot gekennzeichnet!)
(Quelle: Wikipedia, abgerufen am Abend des 30.03.2011 sowie weitere, s. Fußnoten)
(Klammer kursiv = Ergänzungen des Verfassers, Text in Times Roman: Ergänzungen anderer Quellen)

11. März (Tag 1, Samstag)

  • 14:46 Uhr Ortszeit (06:46 Uhr MEZ): Japan wird im Nordosten vom schwersten Erdbeben seiner Geschichte erschüttert. Nach wenigen Minuten trifft eine erste Flutwelle auf die dortige Küste.[1]
  • ca. 15:40/16:00 Uhr (08:00 Uhr MEZ, ohne genaue Zeitangabe, gesamter Küstenbereich): Eine weitere bis zu 23 Meter hohe Flutwelle (Tsunami) trifft auf die Nordostküsten Japans. Die Höhe hängt mit der lokalen Küstenstruktur und dem Vorhandensein von Flussmündungen zusammen. (Die Welle in Fukushima ist laut Spon 14 m hoch)

 

12. März (Tag 2, Samstag)

  • 14:00 Uhr: Die Atomsicherheitsbehörde teilt mit, dass in Fukushima I möglicherweise eine Kernschmelze begonnen habe.
  • 15:36 Uhr: Im Atomkraftwerk Fukushima I kommt es zu einer Wasserstoffexplosion. Das Dach und die Wände des Reaktorgebäudes 1 werden zerstört, Rauch steigt auf. Vier Arbeiter werden dabei verletzt. Einer Stellungnahme der Regierung zufolge wurde der Sicherheitsbehälter (= Reaktordruckbehälter) nicht beschädigt, die Strahlungswerte am Werkstor sollen 70-fach über den Normalwerten gelegen haben.

 

13. März (Tag 3, Sonntag)

  • Erhöhte Radioaktivität
    Am 13.03. um 11.13 Uhr Ortszeit habe nach Angaben der Presseagentur Kyodo die Behörde ein Leck in Block 1 vermutet. Anlass dazu gäben Ortsdosisleistungsmessungen mit Werten über 1,2 mSv/h. Nach Informationen von CNN habe der Regierungssprecher Edano (um 12.06 Uhr Ortszeit, 13.03.) gesagt, dass sich möglicherweise eine Kernschmelze ereignet haben könnte.
  • 16:00 Uhr: Die japanische Regierung spricht von der Möglichkeit einer bevorstehenden weiteren Explosion in Fukushima I. Im Reaktorblock 3 gebe es möglicherweise ebenfalls eine partielle Kernschmelze.
  • Plutoniumfreisetzung droht
    Der havarierte Reaktor 3 in Fukushima wird mit sog. MOX-Brennstäben gefahren[1]. Diese Recycling-Brennstäbe bestehen aus mehreren Uran- und Plutoniumoxiden.

 

14. März (Tag 4)

  • 11:45 Uhr: Im Kernkraftwerk Fukushima I ereignet sich im Reaktor 3 eine Wasserstoff-Explosion. Elf Menschen werden verletzt. Nach Angaben des Betreibers TEPCO bleibt die Stahlhülle des Reaktors (= Containment) intakt.
  • Eine teilweise Kernschmelze hat möglicherweise im Reaktor 2 des japanischen Kernkraftwerkes Fukushima I stattgefunden. Dies teilte die Betreiberfirma Tepco mit. Ein erster Versuch, den Reaktor mit Meerwasser zu kühlen, ist fehlgeschlagen. [2]
  • 21:55 Uhr: Im Kernkraftwerk Fukushima I droht nach der Erklärung von Regierungssprecher Yukio Edano eine Kernschmelze in drei Reaktoren. Im Areal um das AKW wird eine erhöhte Radioaktivität festgestellt.
    (man beachte den Widerspruch!)

 

15. März (Tag 5)

  • 06:15 Uhr: In Fukushima I kommt es im Reaktor 2 zu einer Explosion – die dritte in dem AKW. Dieses Mal wird von einem Druckabfall, berichtet, was auf eine Beschädigung der Reaktorhülle (gemeint ist: des Reaktordruckbehälters) selbst hindeute, sagt TEPCO.
  • 08:54 Uhr: Im Block 4 (vermutlich im Abklingbecken) bricht ein Feuer aus und es gibt eine Wasserstoffexplosion.
  • 12:16 Uhr: Nach Regierungsangaben wurde bei der dritten Explosion erstmals eine innere Schutzhülle (Containment Reaktor 2) beschädigt.
    Nach den Explosionen gab es mit bis zu 12 mSv/h die bislang höchste Radioaktivität-Freisetzung bisher.[3]

 

16. März (Tag 6)

  • 05:45 Uhr: die japanischen Behörden melden, dass ein Feuer im Block 4 entdeckt worden sei.
  • Greenpeace meldet um 00.55 Uhr: „Die Brennstäbe in zwei Reaktoren des AKW Fukushima sind nach Angaben des Betreibers Tepco bereits erheblich beschädigt. In Reaktor 1 seien bereits rund 70 Prozent der Brennstäbe beschädigt, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch. In Reaktor 2 seien es etwa 33 Prozent.[4]

 

20. März (Tag 10)

  • Verantwortliche des Atomkomplexes Fukushima haben bekannt gegeben, dass in zwei von sechs Abklingbecken für verbrauchte Brennelemente in dem Kernkraftwerk die Lage wieder unter Kontrolle sei. Die Temperatur in den Becken sei in einen normalen Bereich abgekühlt. In den anderen Blöcken wird an der Kühlung der Reaktoren und Abklingbecken weiter mit Hochdruck gearbeitet.[5] (Übersetzt:  In allen sechs Reaktoren war die Lage in den Abklingbecken außer Kontrolle und in vier von sechs ist sie es immer noch!)

21. März (Tag 11)

  • Aus dem Reaktor 3 des AKW Fukushima steigt gräulicher Rauch aus. Die Arbeiter wurden abgezogen und mussten Schutzräume aufsuchen. Zuvor war über Block 3 grauer Rauch aufgestiegen, der mittlerweile aber wieder verschwunden ist. Kaum hat sich die Rauchwolke aus Block 3 verzogen, steigt nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo nun über dem havarierten Reaktor Nummer 2 Rauch auf. Dieser ist seit Sonntag wieder an das Stromnetz angeschlossen.[6]

 

23. März (Tag 13)

  • In Trinkwasser in fünf Orten der Präfektur Fukushima ist für Babys ein zu hoher Wert an radioaktivem Jod festgestellt worden. Auch in Gemüse waren schon sehr hohe Werte festgestellt worden. Sorge bereitet Fachleuten auch die starke radioaktive Belastung, die im Meerwasser vor der Küste Japans gemessen wurde. Regierungssprecher Yukio Edano sagte dazu, es sei noch zu früh, um die Auswirkungen der Verstrahlung auf Fische im Meer und auf Pflanzen zu beurteilen.[7]

 

23. März (Tag 13)

  • 17 Arbeiter haben laut Kyodo eine Strahlenbelastung von mehr als 100 MSv erlitten. Rund zwei MSv beträgt der Wert, den ein Mensch in Deutschland jährlich an natürlicher Hintergrundstrahlung abbekommt.[8]

 

25. März (Tag 15)

  • Eine Verstrahlung von Arbeitern mit 10.000-fach erhöhter Radioaktivität im AKW Fukushima deutet nach Einschätzung der japanischen Behörden auf eine erhebliche Schädigung des Reaktorblocks 3 hin. Experten der Reaktorsicherheitsbehörde (NISA) vermuten entweder eine partielle Kernschmelze mit einer Beschädigung des Reaktorbehälters oder eine Überhitzung des Abklingbeckens für abgebrannte Kernbrennstäbe.[9]

 

26. März (Tag 16)

  • Insgesamt ist in vier der sechs Reaktorblöcke des AKW Fukushima 1 radioaktiv belastetes Wasser festgestellt worden. Der Wasserpegel bei Reaktor 1 und 3 würde im Untergeschoss der Turbinenräume bis zu 40 Zentimeter beziehungsweise bei 1,5 Meter liegen, meldet die dpa. In den Reaktorblöcken 2 und 4 stehe das Wasser bis zu einem Meter beziehungsweise bis zu 80 Zentimeter hoch. Der Grund, warum das Wasser stark radioaktiv belastet ist, ist offiziell unklar.

 

27. März (Tag 17)

  • Tepco meldet, im Reaktor 2 des schwerbeschädigten japanischen Atomkraftwerks sei die Radioaktivität drastisch angestiegen. Die Strahlung im Wasser des Turbinenhauses sei auf einen Wert von zehn Millionen Mal über normal (bez. auf Meerwasser) gestiegen. Kabinettssekretär Yukio Edano sagte, das extrem radioaktiv verseuchte Wasser stamme „nahezu sicher“ aus einem Reaktorkern.[10]
  • Die Radioaktivität in Reaktor 2 erreichte am Sonntag einen Wert, der tödlich sein kann. Die von der Betreibergesellschaft Tepco im Reaktor gemessenen mehr als 1.000 MSv pro Stunde können nach Einschätzung der US-Umweltbehörde schwere Blutungen auslösen. Das Kraftwerk wurde am Sonntag umgehend evakuiert. Die Mitarbeiter, die die Messungen vornahmen, seien aus Reaktorblock zwei geflohen, bevor eine zweite Messung abgeschlossen war, hieß es.
    Kabinettssekretär Yukio Edano sagte im japanischen Fernsehen, das extrem radioaktiv verseuchte Wasser stamme „nahezu sicher“ aus einem Reaktorkern. Die genaue Ursache sei nicht bekannt. Befürchtet wurde ein Riss oder Bruch in einer der Schutzhüllen um einen Reaktorkern.[11] (Das wird lt. anderer Quellen, u.a. FAZ, vom Regierungssprecher Edano, „nahezu sicher“ bestätigt)

 

28. März (Tag 18)

  • Das, was viele bereits befürchtet haben, ist jetzt eingetreten: Im Reaktor 2 hat nach Einschätzung der japanischen Regierung vorübergehend eine Kernschmelze eingesetzt.
    Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Montag. Die im dortigen Turbinengebäude im Wasser entdeckte hochgradige Radioaktivität sei auf die teilweise Kernschmelze zurückzuführen, sagte der Sprecher. Dort waren mehr als 1.000 MSv/h gemessen worden.[12]
  • Zum ersten Mal wurde am Montag auch außerhalb des Gebäudes von Reaktor 2 stark radioaktives Wasser entdeckt. In mehreren Kontrollschächten eines unterirdischen Kanals, der aus dem Turbinengebäude des Reaktors hinausführt, habe sich verstrahltes Wasser angesammelt, teilte ein Tepco-Sprecher mit. Die Radioaktivität betrage 1.000 MSv/h.[13]

 

30. März (Tag 20)

  • Anhand der niedrigen Druckwerte in Block 2 und 3 schlussfolgert die NISA auf einer Pressekonferenz, dass die Reaktordruckbehälter defekt sein könnten. Es wird jedoch ausgeschlossen, dass größere Schäden am Reaktordruckbehälter aufgetreten sind.[14]

 

Lage der Reaktoren:

Reaktor 1: Kein Kühlmittel im Reaktordruckbehälter. Schmelze oder Explosion des Reaktordruckbehälters jederzeit möglich. Vermutlich Schäden am Reaktorcontainment.

Reaktor 2: Das Gleiche, Kernschmelze, Reaktordruckbehälter stark beschädigt, vermutlich bereits seit dem 15.3., Schäden am Reaktorcontainment. Leck des Reaktordruckbehälters.

Reaktor 3: Vermutlich Schäden am Reaktorcontainment. Gefahr einer erhöhten Freisetzung von Plutonium durch den Einsatz von MOX-Brennelementen. Leck des Reaktordruckbehälters.

Reaktor 4: War außer Betrieb, daher keine Brennstäbe mehr im Reaktorcontainment. Alle Brennelemente liegen im Abklingbecken. Dort ist offenbar zumindest teilweise eine Kenschmelze eingetreten.

Da es in allen vier Reaktoren schwere Explosionen gegeben hat und offenbar alle vier bereits hochgradig verstrahlt sind, ist nicht zu erwarten, dass sich durch den Stromanschluss die Lage irgendwie bessert. Pumpen etc. dürfte weitgehend zerstört sein. Reparaturarbeiten vor Ort aufgrund der extrem hohen Strahlung wären unmöglich.

Reaktor 5 und 6: Beide waren ebenfalls außer Betrieb, die Abklingbecken scheinen noch intakt zu sein, die Kühlung allerdings ist auch hier fraglich. Da es keine Explosionen gab, könnte diese wieder ein Gang gesetzt werden durch Wiederanschluss an das Stromnetz. Das allerdings hängt davon ab, ob die Kühlpumpen noch intakt sind und mit Strom betrieben werden können.

Bewertung: Zumindest in den Rektorcontainments 1 bis 3 und im Abklingbecken vier laufen seit längerem Kernschmelzen. Entweder werden diese die Bodenbehälter bzw. Containments zerschmelzen (vermutete Temperatur der „Atomsuppe“ ca. 2.000°C, Schmelzpunkt der Stahlbehälter ca. 1.500 °C!) und dadurch wird dann extrem viel Radioaktivität freigesetzt oder es kommt in den Reaktorcontainments 1 bis 3 zu Wasserstoff/Knallgas-Explosionen mit derselben Folge. Eine Explosion des Reaktorcontainments 3 wurde vermutlich nur durch Anbohren und Freisetzen des Knallgasmischung (und Radioaktivität) verhindert[15].

Die Freisetzung von Radioaktivität aus dem Abklingbecken in Reaktor 4 läuft seit der Explosion (Becken, KEIN Containment!).

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Chronologie_der_Katastrophe_in_Japan_von_2011

https://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearunf%C3%A4lle_von_Fukushima-Daiichi

 

weitere Quellen (zitiert nach Wikipedia):
[1] JAIF (jap. Atom-Forum, Wirtschaftslobbyverband): “ Sequence of Developments at Nuclear Power Stations Affected by the Earthquake“ (engl.; auf deutsch etwa: Ablauf in den AKW´s nach dem Erdbeben. ) Reaktor Status Übersicht der Berichte

[4] The 2011 off the Pacific coast of Tohoku Earthquake Cumulative Number of Aftershocks (Magnitude>=5.0). JMA, 22. März 2011, abgerufen am 22. März 2011 (englisch).

[6] NISA Nuclear and Industila Savety Agency (Japan)

 


[1] u.a. https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,750668,00.html

[2] Tagesschau 14.03.2011 13:29 Uhr

[3] https://fukushima.grs.de/sites/default/files/Messwerte%20ODL%20Fukushima%20Daiichi_aufbereitet_RELEASE_110331-1700.pdf

[4] https://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/nachrichten/artikel/erdbeben_in_japan_regierung_ruft_atomaren_notstand_aus/

[5] (Focus) 20.03.2011, 15:01 Uhr:

[6] (Focus) 21.03.2011, verschiedene Meldungen

[7] (Spon) 23.03.2011, ca. 18:30 Uhr

[8] (dpa, zitiert nach GP)

[9] (Tagesschau) 25.03.2011:

[10] (Tagesschau) 27.03.2001, abgerufen um 15:00 Uhr

[11] (Spon), 27.03.2011, abgerufen um 15:00 Uhr:

[12] (MoPo) 28.03.2011

[13] (Spon) 28.03.2011

[14] https://www.bmu.bund.de/atomenergie_sicherheit/doc/47088.php

[15] (ARD, Tagesschau, 20.03.2011 05:39 Uhr)

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Unterschriftskampagnen gegen Atomenergie

Forscher fordern Atomkraft-Aus und eine Energiewende

Über 500 Wissenschaftler, darunter der Autor dieser Seite,  wenden sich an Kanzlerin Angela Merkel. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel haben am 30. März mehr als 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften ein beschleunigtes Ausstiegsszenario aus der Atomenergie gefordert. Die deutschen Laufzeitverlängerungen müssten dauerhaft zurückgenommen werden. In dem Schreiben drücken die Unterzeichner ihre Betroffenheit über die Opfer der Katastrophe in Fukushima aus und betonen, dass heute erneuerbare Energien im Zusammenwirken mit Effizienztechnologien genügend Energie bereitstellen könnten, um bis 2020 oder früher alle Atomkraftwerke in Deutschland abzuschalten. Dafür seien ein Ausbau der Netze, Stromspeichertechnologien und eine verstärkte Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung KWK nötig. Detaillierte Szenarien zur Energiewende aus dem Jahr 2010 zeigen, dass ein Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien bis 2050 rund 750 Milliarden Euro günstiger ist als ein Festhalten am bisherigen Weg.

Den Brief im Wortlauf finden Sie hier, weiteres auf der Seite:

https://www.solar-consulting.de/OffenerBriefMerkel

und die Presseerklärung dazu:

https://www.solar-consulting.de/assets/Offener-Brief-Merkel/pi-2011-SC-OffenerBriefMerkel.pdf

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Hintergründe Störfälle

Update 08.04.2011, 23:00 (und zurückliegende Tage ….)

Update 08.04.2011, 23:00 (und zurückliegende Tage ….)

Ein weiteres schweres Erdbeben der Stärke 7,1 hat zu weiteren Problemen, u.a. in Onagawa geführt. Die beiden Beben in Neuseeland haben gezeigt, dass auch wesentlich leichtere Nachbeben zu gravierenderen Schäden als die Hauptbeben führen können, da viele Gebäude bereits durch das erste Beben stark geschädigt sind.

Probleme bei weiteren Atomanlagen

(FAZ) Im AKW Higashidori in der Präfektur Aomori und in der Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho wurde die externe Stromversorgung unterbrochen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Notversorgung funktioniere aber an beiden Orten.

 

(GP) gibt zu Fukushima folgenden Überblick:

Stand Fukushima

In BLOCK 1 sind Reaktorkern und Brennstäbe beschädigt und die Kühlsysteme ausgefallen, der Sicherheitsbehälter ist aber intakt. In das Reaktorgebäude … wird Kühlwasser mit Hilfe einer elektrischen Pumpe eingespeist. Auch in das Abklingbecken für verbrauchte Brennstäbe wurde Frischwasser eingespeist. Das Grundwasser bei Block 1 ist nach Tepco-Angaben stark verstrahlt: 10.000-fach erhöhte Werte von Jod-131 seien im Wasser entdeckt worden. Seit Donnerstag wird Stickstoff in das Reaktorgehäuse gefüllt (s.u.)

 

Bei BLOCK 2 vermuten die Experten ein Leck im Sicherheitsbehälter (Containment). Reaktorkern und Brennstäbe sind beschädigt, auch das Reaktorgebäude hat leichte Schäden. Das stark verstrahlte Wasser im benachbarten Turbinengebäude hatte vermutlich direkten Kontakt zu geschmolzenem Kernbrennstoff. Tagelang sickerte die stark verstrahlte Brühe unkontrolliert ins Meer. …

 

Auch in BLOCK 3 … sind Reaktorkern und Brennstäbe beschädigt sowie die Kühlsysteme ausgefallen. … Der Sicherheitsbehälter ist womöglich noch intakt.

Druck von den Nachbarländern

(FTD) Unter dem Eindruck der Proteste von Nachbarstaaten will der Fukushima-Betreiber Tepco das Abpumpen von schwachradioaktivem Wasser in den Pazifik einstellen. Das teilte der Konzern mit. Zuvor hatte sich China besorgt über eine radioaktive Belastung geäußert und genauere Informationen verlangt.

In China wurden in zehn Fällen bei Schiffen, Flugzeugen und Warenlieferungen erhöhte Strahlenwerte gemessen. Auch Südkorea hatte Japan dafür kritisiert, das Ablassen des radioaktiven Wassers seinen Nachbarn nicht angekündigt zu haben.

Tepco hatte vor fünf Tagen damit begonnen, insgesamt 11.500 Tonnen schwachradioaktiven Wassers von einem Auffangbecken ins Meer abzulassen, um Platz für stärker verstrahltes Wasser zu schaffen. Zuvor hatte der Betreiber bereits ein Leck geschlossen, aus dem hochradioaktives Wasser ins Meer geflossen war. Tepco plant nun, Tanks zu bauen, die so viel Wasser aufnehmen können wie sechs Olympia-Schwimmbecken. Zudem soll ein Schwimmtank umgebaut und eingesetzt werden.

 

Lecks im Atomkraftwerk Onagawa

(Tagesschau) Nach dem schweren Erdbeben in Japan sind im abgeschalteten Atomkraftwerk Onagawa mehrere Lecks entdeckt worden. In allen drei Reaktoren sei Wasser auf den Boden geschwappt, teilte der Betreiber Tohoku Electric Power mit. Nach Angaben des Fernsehsenders NHK waren es bis zu 3,8 Liter. Das Wasser stammt zum Teil aus Becken, in denen verbrauchte Brennelemente gelagert werden.
Auch an anderen Stellen der Anlage sei Wasser ausgelaufen, berichtete der Betreiber. Außerdem wurden Teile, die den Druck kontrollieren sollen, im Turbinengebäude von Reaktor 3 beschädigt, berichtete NHK. Rund um den Meiler sei aber keine erhöhte Strahlung gemessen worden.
Nach dem heftigsten Nachbeben seit der Katastrophe am 11. März waren in dem AKW zwei der insgesamt drei äußeren Stromversorgungen ausgefallen. Das Kraftwerk ist seit dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami vor vier Wochen zwar abgeschaltet. Die Brennelemente müssen aber weiter gekühlt werden. Dafür wird Strom gebraucht. Die Kühlung habe kurzzeitig ausgesetzt, funktioniere aber wieder, berichtete der Sender. Eine übriggebliebene externe Energiequelle versorge die Anlage ausreichend.

(FTD) Im Atomkraftwerk Onagawa floss radioaktives Wasser aus den Abklingbecken, blieb aber innerhalb der Sicherheitshülle der Anlage, wie Tokohu Electric mitteilte. Dies sei „nicht ungewöhnlich, obwohl es vorzuziehen ist, dass es nicht passiert“, sagte ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde.

(Focus) Außerdem wurden Teile, die den Druck kontrollieren sollen, im Turbinengebäude von Reaktor 3 beschädigt, berichtete NHK.
Innerhalb des Reaktorgebäudes sei ein leichter Anstieg von radioaktiver Strahlung gemessen worden, sagte ein Sprecher. „Wir versuchen herauszufinden, wo die Lecks sind.“ Außerhalb der Anlage sei jedoch keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Das AKW Onagawa war nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami vor einem Monat heruntergefahren worden. Es liegt rund 100 Kilometer nördlich des Unglückatomkraftwerks Fukushima 1.

Wieder andere Meldungen (s.o.) sprachen von („Zitat der Behörden“) „ … bis zu vier Litern Wasser …“ DAS zeigt mustergültig den Unsinn der Meldung und das erneute Verharmlosen bis um „Geht nicht mehr“. Auf Deutsch übersetzt: Die Situation ist unkontrollierbar und kann jederzeit erneut eskalieren …

 

Das Leck ist dicht

(Tagesschau) Das Leck in Reaktorblock 2 des japanischen Atomkraftwerks Fukushima ist offenbar abgedichtet. „Die Arbeiter haben um 5.38 Uhr (Ortszeit) bestätigt, dass kein Wasser aus dem Graben mehr ausläuft“, erklärte die Betreibergesellschaft Tepco in Tokio. Dank des Einsatzes von Flüssigglas dringe kein Wasser mehr aus der Leitung.

Die Einsatzkräfte vor Ort hatten zunächst versucht, den 20 Zentimeter langen Riss mit Beton zu verschließen. Dieser Versuch scheiterte ebenso wie der Einsatz einer Mischung aus Kunstharz, Zeitungspapier und Sägespäne. Zum Erfolg führte laut Tepco schließlich der Einsatz eines als Flüssigglas bekannten Silicats. Zuvor war tagelang verstrahltes Wasser in den Pazifik geflossen. Im Meerwasser in der Nähe von Fukushima stieg der Gehalt an radioaktivem Jod 131 dadurch auf das mehr als 4.000-fache des gesetzlichen Grenzwerts.

Verschwiegen weiter kontinuierlich, dass Ursache selbstverständlich ein Defekt des Reaktordruckbehälters sein muss. Repariert der Riss am Containment oder Reaktorgebäude … Derweil läuft die Kernschmelze weiter und das Wasser nicht mehr nach draußen, sondern nach unten! Das Meerwasser hat selbst lt. Tepco-Informationen 300 m vor der Küste eine Belastung von bis zu 100.000 Bq/ L, verschämt in „100 Bq/cm3“ angegeben.

Zu den Auswirkungen auf das Meer gibt die Seite der Tagesschau Auskunft

 

Stickstoff soll Wasserstoffexplosionen verhindern

(Tagesschau) Die Arbeiten gingen unterdessen auch auf anderer Ebene weiter: Nach Angaben des Tepco-Sprechers Junichi Matsumoto ist geplant, Stickstoff in mehrere beschädigte Reaktoren einzuleiten. Damit sollten Wasserstoffexplosionen verhindert werden, wie sie sich in den ersten Tagen der Katastrophe ereignet hatten. Eine unmittelbare Explosionsgefahr besteht laut japanischer Atomsicherheitsbehörde aber nicht.

Mit anderen Worten: Es laufen nach wie vor „mehrere“ Kernschmelzen, die Wasserstoff freisetzen …

 

Das bestätigt das BMU:

(BMU) Laut TEPCO besteht die Möglichkeit, dass für die Blöcke 1 bis 3 das Containment beschädigt sein kann. Zudem ist es möglich, dass Wasserstoff aus dem RDB über die Kondensationskammer in die Druckkammer des Containments gelangt. Obwohl angenommen wird, dass im Containment eine Dampfatmosphäre vorherrscht, kann eine Wasserstoffexplosion auftreten, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass Luft bzw. Sauerstoff in das Containment gelangt. Dieses ist aber nur vorstellbar, wenn sich im Containment aufgrund von Kondensationsvorgängen Druckverhältnisse einstellen, die ein Einströmen von Luft bzw. Sauerstoff aus der Umgebung über Leckagen des Containments zulassen. Deshalb wurde für die Blöcke 1 bis 3 die Einspeisung von Stickstoff in das Containment bei der Aufsichtsbehörde beantragt, die die Entstehung eines zündfähigen Gemisches aus Wasserstoff und Sauerstoff verhindert. (TEPCO 06.04.2011)

Seit 1971: Versagen des Notkühlsystems beim Reaktortyp Fukushima als Designfehler bekannt

(anti atom piraten) Adam Curtis berichtet in seinem Blog der BBC aus einem Film, den er einmal gemacht hat und der sich mit der Kerntechnik befasst. Der Film ist online abrufbar. Adam Curtis kommt bei seinen Recherchen zur folgenden Erkenntnis:

Bereits 1964 waren US Regierungsmitgliedern mögliche gravierende Sicherheitsmängel von Siedewasserreaktoren bekannt. Siedewasserreaktoren des Typs, wie die, die nun in Fukushima verunfallt sind. Diese Warnungen wurden aber fortlaufend ignoriert. (mehr …)

 

Tepco kündigt Entschädigungen an

(Tagesschau) Tepco kündigte an, die örtlichen Behörden für die radioaktive Verstrahlung und Evakuierungen zu entschädigen. Der Konzern erklärte allerdings, noch sei weder über die Höhe entschieden, noch darüber welche und wie viele Kommunen mit Geldern rechnen könnten. Die Zeitung „Yomiuri“ hatte zuvor berichtet, Tepco werde schon mit Entschädigungszahlungen beginnen, bevor die Schäden durch die Katastrophe überhaupt berechnet sind. Mittel sollten diejenigen erhalten, die wegen des AKW-Unfalls ihre Häuser verlassen mussten oder sonst Schaden erlitten haben.

Der Aktienkurs des Konzerns brach weiter ein. Seit der Reaktorkatastrophe infolge des Bebens und des Tsunamis am 11. März hatte die Aktie bereits mehr 80 Prozent an Wert verloren. Seine Bilanz des Geschäftsjahrs, das bis Ende März lief, verschob der Konzern nun auf unbestimmte Zeit.

Wie allerdings Tepco eine Summe aufbringen will, die das Mehrfache des Firmenwertes VOR der Katastrophe übersteigt, entschädigen will, bleibt unklar …

 

Deutsche Bank und West-LB finanzieren Betreiber des Katastrophen-Reaktors in Japan mit
PM von urgewald & attac

Angesichts der Atomkatastrophe in Japan haben das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Umweltorganisation Urgewald scharf die Rolle von Banken bei der Finanzierung von unsicheren Atomkraftwerken kritisiert. „Wo große Gewinne winken, spielen Informationen über massive Sicherheitsprobleme und Störfälle keine Rolle“, sagte Jutta Sundermann vom Attac-Koordinierungskreis. „Auf der Jagd nach der größtmöglichen Rendite setzen Banken Millionen Menschenleben aufs Spiel.“ So gaben die Deutsche Bank und die WestLB für Tepco, den Betreiber des japanischen Katastrophen-Reaktors, Anleihen in Höhe von zweimal rund 30 Millionen Euro aus; die die ING Bank (Muttergesellschaft der Direktbank ING-Diba) kaufte Tepco-Anleihen für rund 15 Millionen Euro.“ (mehr)

 

Korruption, die vom Himmel fällt

(SZ 03.04.2011, 18:01) Jahrelang hat Japan so getan, als gäbe es keine Alternative zur Atomkraft, dabei besitzt das Land viele natürliche Energiequellen. Doch die werden nicht genutzt – denn die Atomkonzerne schmieren Beamte mit hochbezahlten Beraterjobs. (mehr)

 

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Update 29. / 30.03.2011

Das Chaos nimmt weiter zu, die Versuche, die Katastrophe in Griff zu bekommen werden immer hilfloser … „Abdecken mit Folie“[1] oder „Besprühen mit Kunstharz“ oder „Verbringungen des radioaktiven Wassers per Tankschiffen auf hohe See“[2] werden offenbar ernsthaft diskutiert, als könne dies auch nur irgendwas an grundlegender Besserung oder Verhinderung der finalen Katastrophe bewirken. Eine Ausweitung der Evakuierung auf 40 km[3] ist da schon seriöser, aber da sperrt sich offenbar immer noch die Regierung. Selbst die jetzige 20 km-Zone wird offenbar nicht ernsthaft durchgesetzt, mit dem Ergebnis, dass die verbliebenen AnwohnerInnen mit ernsthaften Gesundheitsschäden rechnen müssen aufgrund der Strahlenbelastung.

Zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre, sind die Meldungen der JAIF (und die Übersetzung durch GRS) über den Zustand der Reaktoren:

 

Block  1  2  3 
Druck / Temperatur im Reaktordruck-behälter   schrittweise steigend / leicht gesunken nach Anstieg über 400°C am 24.03.   unbekannt / stabil   unbekannt  

Die GRS meldet um 09:00 Uhr (MESZ), abgerufen um 24:00 Uhr

Zustand Sicherheitsbehälter
unbeschädigt
Schaden und Leck vermutet
unbeschädigt
 

In der JAIF-Tabelle geht es um 21:00 Uhr (Ortszeit) ehrlicher zu (estimation = Schätzung, Vermutung):

 

Containment Vessel Integrity   Not Damaged (estimation)  Damage and Leakage Suspected  Not damaged (estimation) 

Immerhin wird die Beschädigung des Reaktordruckbehälters mittlerweile zugegeben …

Auf Deutsch: „Wir wissen zwar nicht, was im Reaktordruckbehälter 2 abgeht, aber stabil ist es …“ (es fehlt wohl das „hoffentlich“?)

Das Wirrwarr über die um das 10-millionenfache oder „nur“ 100.000-fache gestiegene Radioaktivität am Wochenende klärt sich etwas. Hintergrund waren offenkundig unterschiedliche Bezugswerte, einmal das normale Leitungswasser (hoher Wert), zum andern das ohnehin auch schon im Normalbetrieb belastete Kühlwasser.[4] Was so ganz nebenbei die Information liefert, dass das Kühlwasser im Fukushima „normalerweise“ mit einer 100-fachen Radioaktivität belastet wird …

Die mehrfach heiß diskutierten einer „geordneten Entsorgung“ des radioaktiv stark belasteten Kühlwassers (vom Besprühen der Abklingbecken und Reaktoren) wird ad absurdum geführt mit einer Meldung im Kleingedruckten in der SZ vom 28.3.20111 (Verseuchtes Wasser im Kraftwerk, Angst in der Luft): „Seit rund zehn Tagen pumpen die Techniker Tausende Tonnen in die zum Teil aufgerissenen Reaktorgebäude, offenbar ohne sich darum zu Kümmern, wohin das viele Wasser letztlich fließt.

 

Reaktordruckbehälter in Block 2 und 3 defekt

(BMU) 30.03.2011: Anhand der niedrigen Druckwerte in Block 2 und 3 schlussfolgert die NISA auf einer Pressekonferenz, dass die Reaktordruckbehälter defekt sein könnten. Es wird jedoch ausgeschlossen, dass größere Schäden am Reaktordruckbehälter aufgetreten sind.[5]

 

Tepco baut AKWs in der Türkei

(Tagesthemen, 30.03.2011, 22:46) Bei Mersin, in einem hochgradig erdbeben-gefährdeten Gebiet soll ein russisches AKW gebaut werden. Insgesamt sollen hier vier Rektoren gebaut werden. An der ebenfalls erdbeben-gefährdete Schwarzmeerküste sollen ebenfalls mehrere Reaktoren gebaut werden, hier soll ausgerechnet Tepco die Anlagen erstellen.

IAEA rät zu weiteren Evakuierungen

(Tagesschau) 30.03.2011: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) rät Japan zur weiteren Evakuierung eines Ortes in der Nähe des zerstörten Atomkraftwerks Fukushima. In dem 7000-Einwohner-Ort Iitate hätten Teams der Atombehörde die höchsten Strahlungswerte gemessen, sagte der IAEA-Experte für nukleare Sicherheit, Denis Flory. „Eine erste Beurteilung deutet darauf hin, dass eine der IAEA-Kriterien für die Evakuierung überschritten wurde.“ Man habe Japan geraten, sich die Situation dort genau anzusehen, sagte Flory. Iitate liegt etwa 40 Kilometer nordwestlich von den Unglücksreaktoren entfernt.

(Spon) 30.03.2011:  Unterdessen hat die Umweltorganisation Greenpeace ebenfalls Messungen vor Ort durchgeführt: In dem 7000-Einwohner-Ort Iitate, 40 Kilometer nordwestlich des Kraftwerks, gab es demnach eine Strahlenbelastung von bis zu zehn Mikrosievert in der Stunde. Um Tsushima seien sogar 100 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. Das teilte die Organisation am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Tokio mit. Zum Vergleich: 2,1 Millisievert – also 2100 Mikrosievert – im ganzen Jahr ist jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich ausgesetzt.

Wind dreht auf Tokio

(FTD) 30.03.2011: Der Wind drehte am Mittwoch in Richtung Tokio. Mit ihm könnten radioaktive Partikel den Ballungsraum mit 35 Millionen Bewohnern für einige Stunden erreichen.

Rauch über dem AKW Fukushima II (Daini)

(MoPo) Am eigentlich stabilen Kernkraftwerk Fukushima II ist am Mittwoch etwa eine Stunde lang Rauch aufgestiegen. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreiberfirma Tepco. Der Rauch kam laut Tepco von einer Stromverteiler-Einheit in einem Turbinenraum im ersten Stock. Er sei dann wieder verschwunden. Genaue Angaben zur Ursache des Rauchs gab es zunächst nicht.

Tepco gerät außer Kontrolle

(FTD) Dem Betreiber des außer Kontrolle geratenen Atomkraftwerks in Japan droht das außerordentlich schwierige Krisenmanagement vollends zu entgleiten. Tokyo Electric Power (Tepco) bekommt die technischen Probleme der verheerenden Katastrophe nicht in den Griff. Management und Finanzkraft des Konzerns sind bereits jetzt vollkommen überstrapaziert: Die vor wenigen Tagen gewährten Notkredite in Milliardenhöhe reichen nicht aus, teilte Tepco am Mittwoch mit. Zudem musste die Konzernführung umorganisiert werden, da Präsident Masataka Shimizu krankheitsbedingt ausfällt. …
Das Management ist zunehmend handlungsunfähig. Die umgerechnet gut 17 Mrd. Euro Notkredit, die japanischen Banken gerade gewährt haben, reichten nicht aus, um den Firmenbetrieb und alle sonstigen Kosten finanzieren zu können, räumte Tepco am Mittwoch ein. Wie groß der weitere Finanzbedarf sein wird, bleibt unklar. Der mit einem Umsatz von 38,3 Mrd. Euro sechstgrößte Energieversorger der Welt war bereits vor dem Atom-GAU hoch verschuldet. …
Das Ausmaß der Schäden ist immens: Vier der sechs Reaktoren in Fukushima werden endgültig stillgelegt und verschrottet. Um die ausgefallene Energiekapazität künftig wettzumachen muss Tepco nach Analystenschätzung monatlich mehr als 1 Mio. Dollar aufwenden. Über die verbleibenden Reaktoren soll nach Gesprächen mit Regierung und Anwohnern entschieden werden. Zudem drohen hohe Kosten für Reparaturen, Entschädigungen, Kraftwerksneubauten und mögliche Klagen. Im Umkreis des Atomkraftwerks Fukushima mussten bislang 70.000 Menschen evakuiert werden.

 

Plutonium im Boden um Atomkraftwerk Fukushima

(Spon) 29.03.2011: Tokio – Mehr als zwei Wochen nach der ersten Explosion im Atomkraftwerk Fukushima I hat der Betreiber die Situation immer noch nicht unter Kontrolle. Aus dem beschädigten japanischen Atomkraftwerk tritt offenbar weiterhin hochgiftiges Plutonium aus. Das Schwermetall sickere ins Erdreich ein, hieß es am Dienstag aus Behördenkreisen. Nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco wurde an mehreren Stellen außerhalb des Meilers Plutonium entdeckt.
Es gebe Hinweise darauf, dass die Radioaktivität von beschädigten Brennstäben stamme, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Dienstag. „Die Situation ist sehr ernst“, so Edano. „Wir tun unser Möglichstes, um den Schaden zu begrenzen.“
Es sei bedauerlich, dass es nicht gelungen sei, einen Austritt radioaktiver Substanzen aus dem Kraftwerk zu verhindern, sagte Hidehiko Nishiyama, ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde. Am Montag war erstmals gemeldet worden, dass im Boden um das Kraftwerk hochgiftiges Plutonium entdeckt worden sei. Die Dosierung war nach Angaben von Tepco für Menschen nicht gefährlich.

 

Info Plutonium
Plutonium (Pu) ist das chemische Element mit der Ordnungszahl 94 (Nuklide 238, 239, 240, 241, 242, 244) und gehört zu den Schwermetallen wie Blei oder Quecksilber. Daher ist es für den menschlichen Körper auch ähnlich giftig wie diese Schwermetalle. Plutonium ist zusätzlich radioaktiv, das heißt die verschiedenen Nuklide (238, 240 und so weiter) zerfallen unter Aussendung von Strahlung. Die Halbwertszeit der Plutoniumnuklide ist relativ groß, zum Beispiel bei Plutonium-239 dauert es 24.110 Jahre bis die Hälfte der vorhandenen Atomkerne zerfallen ist. Beim radioaktiven Zerfall werden hauptsächlich Alphateilchen und mit wesentlich geringerer Intensität Gammastrahlung freigesetzt.
(mehr … / Quelle: https://www.bfs.de/ion/wirkungen/plutonium.html )

 

Regierung erwägt Verstaatlichung von Tepco

(Spon) Täglich meldet Tepco neue Hiobsbotschaften aus dem Kraftwerk an der Nordostküste des Landes. Nun erwägt die Regierung offenbar eine Verstaatlichung der Betreibergesellschaft. Das sei eine Option, sagte der Minister für die nationale Politik, Koichiro Gemba, laut der Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag. Auch die japanische Tageszeitung „Yomiuri“ berichtete unter Berufung auf Regierungskreise von derartigen Überlegungen. Die Regierung könnte die Mehrheit übernehmen und in das Management des Stromkonzerns eingreifen.

 

EU erhöht Grenzwerte für radioaktive Belastung von Lebensmitteln
+++ Umweltinstitut fordert Einfuhrverbot[6]

EU gestattet Einfuhr radioaktiv belasteter Lebensmittel aus Japan. Um das sicherzustellen, hat die EU Kommission die Katastrophengrenzwerte für Lebensmittel in Kraft gesetzt. Das heißt, dass Nahrungsmittel jetzt deutlich höher radioaktiv belastet sein dürfen als im Normalfall. Die Grenzwerte für Cäsium wurden zum Teil verdoppelt, für Lebensmittel wie Fischöl und Gewürze sogar verzwanzigfacht.

Ursprünglich waren diese Grenzwerte nach der Tschernobyl-Katastrophe eingeführt worden, um die Ernährung der Bevölkerung trotz eines Super-GAUs sicher zu stellen. Von einem Ernährungsnotstand kann bei einem Lebensmittelimportanteil aus Japan von unter 0,05 Prozent jedoch kaum eine Rede sein. Das Umweltinstitut München fordert die Bundesregierung deshalb auf, diese Grenzwerterhöhung unverzüglich zu revidieren und stattdessen ein sofortiges Einfuhrverbot von Lebensmitteln aus Japan zu erlassen!

Grenzwerte für nuklearen Unfall in Kraft gesetzt

In der EU gilt für die Cäsium-Gesamtaktivität in Milch, Milchprodukten und Säuglingsnahrung ein Grenzwert von 370 Bq/kg. Alle anderen Lebensmittel dürfen einen Wert von 600 Bq/kg nicht überschreiten. Diese nach Tschernobyl deutlich erhöhten „Normalwerte“ (z.B. lag Milch zuvor bei 50 Bq/L)  können allerdings laut Europarat im Falle eines nuklearen Unfalls oder einer anderen radiologischen Notstandssituation durch höhere Radioaktivitätsgrenzwerte für Nahrungsmittel und Futtermittel ersetzt werden (siehe Verordnung Euratom[7]). Diese Regelung sollte die Ernährung der Bevölkerung im Falle eines Supergaus sicherstellen.

Tabelle: Höchstwerte für Nahrungsmittel im Falle eines nuklearen Unfalls (in Bq/kg)

Nahrungs-
mittel für Säuglinge
Milch-
produkte
Andere Nahrungs-
mittel
Nahrungs-
mittel geringerer Bedeutung
Flüssig-
nahrungs-
mittel
Strontiumisotope
(bes. sr-90)
75 125 750 7500 125
Jodisotopge
(bes. J-131)
150 500 2000 20.000 500
Alphateilchen emittierende Plutoniumisoptope
u. Transplutonium-elemente

(bes. Pu-239, Am-241)
1 20 80 800 20
Alle übrigen Nuklide mit Halbwertzeit > 10 Tagen (bes. Cs-134, Cs-137 ohne C-14, H-3) 400 1000 1250 12.500 1000

 

Höhere Grenzwerte für Lebensmittel aus Japan

In ihrer Verordnung vom 25. März 2011[8](siehe Seite 2) legte die EU-Kommission nun fest, dass Nahrungsmittel auch aus radioaktiv belasteten Präfekturen Japans eingeführt werden dürfen. Diese Lebens- und Futtermittel müssen dabei nicht die üblichen Grenzwerte einhalten, sondern nur noch die Höchstwerte, die für den nuklearen Notstand festgelegt wurden.

Dieses Vorgehen ist absurd. Denn von einem Ernährungsnotstand kann bei einem Lebensmittelimportanteil von 0,05 Prozent aus Japan wohl kaum die Rede sein. Die EU-Kommission nimmt also völlig unnötig eine gesundheitsgefährdende radioaktive Belastung ihrer Bevölkerung in Kauf. Statt die Verbraucher zu schützen, werden diese bewusst gefährdet. Darüber hinaus muss lediglich die Einhaltung der Grenzwerte für Jod 131, Cäsium 134 und Cäsium 137 bescheinigt werden. Strontium und Plutonium werden in der aktuellen Verordnung nicht erwähnt.

Das Umweltinstitut München und andere unabhängige Experten empfehlen seit Langem strengere Grenzwerte: 30 bis 50 Bq/kg bei Nahrung für Erwachsene und 10 bis 20 Bq/kg für Kinder, Stillende und Schwangere. Babynahrung sollte 5 Bq/kg nicht überschreiten. Die aufgenommene Strahlung sollte soweit möglich minimiert werden. Pressemitteilung des Umweltinstitut München und Foodwatch.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/ausland/fukushima362.html

https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Plutonium-im-Boden-Radioaktivitaet-in-Seoul-und-den-USA-id14487116.html

https://www.mopo.de/news/panorama/japan/katastrophen-akw-soll-mit-planen-abgedeckt-werden/-/8235776/8284086/-/index.html

https://www.ftd.de/politik/international/:fukushima-tepco-geraet-ausser-kontrolle/60033031.html

https://www.grs.de/sites/default/files/Status%20KKW%20Fukushima%20Daiichi%20Uhr%20am%2030-03-2011_0900.pdf

https://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/nachrichten/artikel/atomarer_notstand_in_japan_teil_2/

https://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753592,00.html

https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,753933,00.html

Süddeutsche Zeitung vom 30.3. (Rätselhaftes Plutonium),

Süddeutsche Zeitung vom 28.3.20111 (Verseuchtes Wasser im Kraftwerk, Angst in der Luft)


[3] ebenda

[4] Süddeutsche Zeitung vom 30.3. (Rätselhaftes Plutonium)

[7] VO zur Festlegung von Höchstwerten an Radioaktivität in Nahrungsmitteln und Futtermitteln im Falle eines nuklearen Unfalls oder einer anderen radiologischen Notstandssituation
https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:31987R3954:DE:HTML

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Hintergründe Störfälle

Update 27.03.2011, 15:00 Uhr

Fukushima …. des Chaos’ nächste Stufe

Die Berichterstattung offizieller japanischer Stellen (Regierung sowie Tepco als Betreiber) erreichen leider immer wieder neue negative Höhepunkte … Daher hier eine persönliche Wertung der nachfolgenden Meldungen:

 

  1. Zweiter Reaktordruckbehälter offen
    Auch in Block 2 scheint jetzt die Kernschmelze den Reaktordruckbehälter (Skizze s. hier) massiv beschädigt zu haben. Im Vergleich zu Reaktor 3 ist die Öffnung entweder deutlich (um Zehnerpotenzen) größer (also etwa „durchgeschmolzener Boden“ zu „Riss“) oder es gab in Reaktor 2 eine Explosion des Reaktordruckbehälters. Da auch immer wieder von „Explosionen“ die Rede ist, kann letzteres nicht ausgeschlossen werden.
  2. Radioaktivitätswerte explodieren
    Die Radioaktivität liegt spätestens seit heute in der Größenordnung Tschernobyls, mit dem Unterschied, dass hier mindestens zwei Reaktoren betroffen sind. Die lokalen Folgen für die Umgebung (30 bis 80 km) um das AKW werden Tschernobyl vergleichbar sein!
  3. Meldungswirrwarr und Dementis zeigen Ausmaß der Katastrophe
    Die vollkommen wirren Meldungen und Widersprüche (s. Tagesschau, 15:00 Uhr) haben nur eine Erklärung: Die Situation läuft vollkommen aus dem Ruder und die Regierung/Betreiber versuchen solange es geht zu verheimlichen, um eine endgültige Panik mit katastrophalen Folgen heraus zu zögern (wobei ich mir keine Wertung erlaube, ob dies nicht sogar der vernünftigere Weg ist …)
  4. Jetzt geht auch JAIF zum Mauern über
    Nachdem bisher die JAIF einen recht zuverlässigen Statusbericht über die Zustände der Anlagen geliefert hatte, ist dies offenbar auch beendet … So gibt es heute (27.3.) in allen drei havarierten Redaktoren lauf JAIF (Japan Atomic Industrial Forum) KEINERLEI Angaben zu den Reaktordruckbehältern!!! Gleichzeitig schreibt die GRS die Tabelle von JAIF fort. „Witzigerweise“ bezieht sich die GRS dabei auf die JAIF! So meldet die GRS bereits am 25.3. (letzter Stand der Veröffentlichungen) einen vermuteten Schaden am Reaktordruckbehälter 3!
  5. Unsinn über „Brennstab-Kühlung“
    Mehrfach kamen in den letzten Tagen Meldungen wie die unten von Focus, vermutlich alle 1 : 1 von japanischen Agenturen übernommen:
    „ …
    aber das sich ablagernde Salz stellt eine Gefahr für die Pumpen und die Brennstäbe (dar)“. Dies unterstellt, eine Kühlung der Brennstäbe bzw. genauer der Brennelemente in den havarierten Reaktordruckbehältern wäre möglich bzw. würde sogar geschehen. Das ist ABSOLUTER UNSINN!!! Wie unter 4 gezeigt, gibt es nicht einmal einen Informationsstand zum Zustand der Reaktordruckbehälter! Die Pumpen, deren Wiederinbetriebnahmen mehr als „kurz bevorstehend“ gefeiert wurde, laufen laut aktuellen Meldungen immer noch nicht. Was bestenfalls läuft ist eine Kühlung der Reaktordruckbehälter von außen. DIESE jetzt auf Süßwasser umzustellen, macht Sinn, um die Pumpen zu schonen, hat aber mit den „Brennelementen“ und DEREN Kühlung nichts zu tun! 

    Mit der Zerstörung durch das Beben und den Tsunami wurde auch die Kühlung der Brennstäbe unterbrochen. Erfahrungsgemäß fängt spätestens nach mehreren Tagen durch die weitergehende Hitzeentwicklung die sog. „Kernschmelze“ an: Dabei platzen zunächst die Zirkonium-Schutzhüllen auf. Die Temperatur steigt bis auf über 2.000 °C an, bei dieser schmilzt dann auch das Uranoxid bzw. Uran. Falls Uran verwendet wurde (Zusammensetzung der Brennstäbe ist eine Mischung aus Uran und Uranoxid), fängt Uran in Kontakt mit Wasser oder Wasserdampf zu brennen an, Wasserstoff entsteht. Auch Stahl oder Zirkonium reagieren bei diesen hohen Temperaturen mit Wasser.

    Fazit: Die Brennstäbe sind seit Tagen im Schmelzvorgang und zerstört, eine Kühlung der Brennstäbe ist schon lange nicht mehr möglich, gekühlt werden kann nur noch der Reaktordruckbehälter von außen.

Verwirrung über erhöhte Strahlenwerte

(Tagesschau) 27.03.2001, abgerufen um 15:00 Uhr: Die Nachrichtenlage am Atomkraftwerk Fukushima I ist weiter unübersichtlich: „Die Betreiber des schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima haben ihre eigenen Angaben über millionenfach erhöhte Strahlenwerte zurückgezogen“, meldet die Nachrichtenagentur dapd. Die Messung sei falsch gewesen, wird ein Sprecher der Betreiberfirma Tepco zitiert. „Diese Zahl ist nicht glaubhaft“, habe Sprecher Takashi Kuratia geäußert: „Das tut uns sehr leid.“

Auch die japanischen Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji meldeten Verwirrung bei den Berichten über die Strahlenbelastung am Unglücks-AKW: Im entdeckten Wasser im Reaktorhaus 2 seien zudem möglicherweise andere radioaktive Substanzen als das bisher gemeldete Jod-134 enthalten.

Berichte über millionenfach erhöhte Strahlungswerte

(Tagesschau) 27.03.2001, abgerufen um 15:00 Uhr: Zuvor hatte Tepco gemeldet, im Reaktor 2 des schwerbeschädigten japanischen Atomkraftwerks sei die Radioaktivität drastisch angestiegen. Die Strahlung im Wasser des Turbinenhauses sei auf einen Wert von zehn Millionen Mal über normal gestiegen. Kabinettssekretär Yukio Edano sagte, das extrem radioaktiv verseuchte Wasser stamme „nahezu sicher“ aus einem Reaktorkern. (Anm. der Red.: Später wird einen Erhöhung auf „nur“ das 100.000-fache des üblichen Wertes gemeldet …)

Die in Reaktor 2 mit Reparaturarbeiten beschäftigten Arbeiter hätten in Sicherheit gebracht werden müssen, erklärte Tepco weiter. Sie waren damit beschäftigt, die Flüssigkeit aus den Kellern der Turbinengebäude der Reaktoren 1 und 2 zu entfernen. Das radioaktive Wasser hatte bereits in Reaktor 3 mehrere Arbeiter verstrahlt.

Die Turbinengebäude schließen direkt an die Reaktorblöcke an. In ihnen stehen die großen Stromgeneratoren, deren Rotorblätter von dem am Reaktor aufgeheizten Dampf in Schwung gesetzt werden. Das strahlende Wasser sollte vorerst in den großen Kondensationsbecken gesammelt werden, in denen normalerweise der Dampf abgekühlt wird.

 

Verstrahltes Wasser bis zu einen Meter tief

(Focus) 27.03.2011, abgerufen um 15:00 Uhr: Das Drama um das havarierte japanische Kernkraftwerk bei Fukushima hat einen weiteren Höhepunkt erreicht. Die austretende Strahlung in einem Reaktor wird als potenziell tödlich eingestuft. Die Rettungsarbeiten mussten deshalb abgebrochen werden. (Anmerkung: in anderen Quellen werden Strahlungsdosen im Sv-Bereich angegeben, diese sind praktisch sofort tödlich (s.a. hier)

Rapide gestiegene Radioaktivität im havarierten japanischen Atomkraftwerk bei Fukushima hat am Sonntag die fluchtartige Evakuierung erzwungen. Mit dem Abzug der Techniker wurden auch die Arbeiten unterbrochen, die Kühlung der Anlage wieder in Gang zu bringen.

 

Im Turbinengebäude des Reaktors 1 stehe das radioaktiv verseuchte Wasser 40 Zentimeter hoch und am Reaktorblock 2 betrage die Tiefe einen Meter, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. In Block 3 seien sogar 1,5 Meter gemessen worden. Das Wasser stammt offenbar aus dem Reaktorkern oder den Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente.

Sobald das radioaktive Wasser abgepumpt ist, soll die Verkabelung der Reaktorgebäude fortgesetzt werden. Dann soll Strom in alle Kontrollräume geleitet werden. Im Idealfall funktionieren die Messgeräte und am Ende auch das reguläre Kühlsystem wieder.

Im Reaktorblock 2 wurde die Kühlung auf Süßwasser umgestellt. Bisher war mit Meerwasser gekühlt worden, aber das sich ablagernde Salz stellt eine Gefahr für die Pumpen und die Brennstäbe dar.

IAEA-Chef: „Noch weit vom Ende des Unfalls entfernt“

(Tagesschau) 27.03.2001, abgerufen um 15:00 Uhr: Unterdessen zeigte sich der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, besorgt über die Lage in Japan. Der „New York Times“ sagte er, die Situation könne noch für Wochen, vielleicht sogar Monate andauern. Japan sei „noch weit vom Ende des Unfalls“ entfernt.

Es sei immer noch unklar, ob die Reaktorkerne und die abgearbeiteten Brennstäbe mit Wasser bedeckt seien und ausreichend gekühlt werden könnten. Es müsse noch mehr getan werden, um die Krise zu beenden, fügte er hinzu.

In vier Reaktoren steht verstrahltes Wasser

(Spon), 27.03.2011, abgerufen um 15:00 Uhr: Die Radioaktivität in Reaktor 2 erreichte am Sonntag einen Wert, der tödlich sein kann. Die von der Betreibergesellschaft Tepco im Reaktor gemessenen mehr als 1.000 Millisievert pro Stunde können nach Einschätzung der US-Umweltbehörde schwere Blutungen auslösen. Das Kraftwerk wurde am Sonntag umgehend evakuiert. Die Mitarbeiter, die die Messungen vornahmen, seien aus Reaktorblock zwei geflohen, bevor eine zweite Messung abgeschlossen war, hieß es.

Kabinettssekretär Yukio Edano sagte im japanischen Fernsehen, das extrem radioaktiv verseuchte Wasser stamme „nahezu sicher“ aus einem Reaktorkern. Die genaue Ursache sei nicht bekannt. Befürchtet wurde ein Riss oder Bruch in einer der Schutzhüllen um einen Reaktorkern.

 

Furcht vor Verstrahlung nimmt zu

(Spon), 27.03.2011, abgerufen um 15:00 Uhr: Die Furcht vor radioaktiver Verstrahlung unter den Menschen im Umkreis von Fukushima führt inzwischen zu extremen Vorsichtsmaßnahmen: Notunterkünfte nehmen nur Flüchtlinge aus der evakuierten Zone um das AKW auf, die sich einer Strahlenuntersuchung unterzogen haben. Viele internationale Reedereien meiden mit ihren Frachtern den Hafen von Tokio, weil auch das Meer immer stärker radioaktiv verseucht wird.

Regierungssprecher: „radioaktiv verseuchte Wasser aus Reaktorkern“

(FAZ) 27.03.2011, abgerufen um 15:00 Uhr: Regierungssprecher Edano sagte, das extrem stamme „nahezu sicher“ aus einem Reaktorkern.

Die Nachrichten aus Fukushima werden immer alarmierender. Die Radioaktivität in Reaktorblock 2 des japanischen Atomkraftwerks ist zehn Millionen Mal höher als normal. Die Strahlung wurde am Sonntag im verseuchten Wasser gemessen, welches meterhoch im Turbinen-Gebäude des Reaktorblocks steht. Die Radioaktivität in der Luft hat nach Angaben der Betreiberfirma Tepco 1000 Millisievert in der Stunde erreicht. Das Vierfache des von der Regierung erst kürzlich heraufgesetzten Grenzwerts für die Belastung von Atomkraftwerksmitarbeitern – in einem Jahr. Das bedeutet, dass ein Kraftwerksmitarbeiter im Reaktor schon in einer Viertelstunde die zulässige Jahresdosis erreicht hat.

Regierungssprecher Yukio Edano sagte im japanischen Fernsehen, das extrem radioaktiv verseuchte Wasser stamme „nahezu sicher“ aus einem Reaktorkern. Sollte tatsächlich der Kern betroffen sein, könnte die Radioaktivität in der Umgebung von Fukushima deutlich ansteigen. Die wahrscheinlichste Folge wäre eine Kontamination des Grundwassers. Die Messwerte waren zuvor von einem Sprecher der Betreiberfirma Tepco, Takashi Kurita, mitgeteilt worden.

Zuletzt:

Weil immer wieder nachgefragt wird …

Aufgrund aller vorliegenden Meldungen ist derzeit nicht zu befürchten, dass große Radioaktivitätsmengen die Jetstreams erreichen und somit in großem Maße (wie etwa nach Tschernobyl) nach Mitteleuropa gelangen können. DAZU fehlen die hohen Brandtemperaturen, die es im Reaktor in Tschernobyl gab. Geringe Mengen werden mit den „normalen“ Winden in den nächsten Tagen auch Mitteleuropa erreichen und hier zu einer Erhöhung der Messwerte, aber weit unter einer kritischen Grenze, führen. Die Erhöhung dürfte bis auf Weiteres im Bereich der natürlichen Schwankungen (Höhenstrahlung, Mineralien) und der Belastungen von Tschernobyl und den oberirdischen Atomversuchen der 60er liegen. DAS ist also vorläufig kein Grund zu Sorge. Die regionale Betroffenheit in Japan und im Ostasiatischen Raum sieht dagegen VÖLLIG anders aus!

 

Quellen:

www.iwr.de

https://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/nachrichten/artikel/zusammenfassung_strahlung_an_fukushima_reaktor_2_millionenfach_erhoeht/

https://www.focus.de/panorama/welt/tsunami-in-japan/atom-katastrophe-strahlung-erreicht-toedliche-dosis_aid_612612.html

https://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753407,00.html

https://www.grs.de/sites/default/files/Status_KKW_Fukushima_Daiichi_am%2025-03-2011_0800.pdf bzw.

https://www.jaif.or.jp/english/news_images/pdf/ENGNEWS01_1301226468P.pdf

https://www.tagesschau.de/ausland/fukushima332.html

https://www.faz.net/s/RubB08CD9E6B08746679EDCF370F87A4512/Doc~ED98136EF628A4BC5995DF6D4513BE4B3~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

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Hintergründe Störfälle

Update, 25.03.2011, 10:00 Uhr: Leck im Reaktor 3, Kernschmelze offen!

Vorbemerkung: Es deutet alles darauf hin, dass heute Nacht der Mega-GAU eingetreten ist! Die Verstrahlung der drei Arbeiter im Untergeschoss von Block drei und um das 10.000-fache gestiegene Radioaktivitätswerte im Wasser in Block 3, aber auch in 1 und 2 lassen m.E. keine andere Erklärung zu, als dass der Reaktorkern/-druckbehälter an mindestens einer Stelle durchgeschmolzen ist! Die unten von Kyodo genannte „Beschädigung der Brennstäbe … als Ursache“ ist schlicht Quatsch bzw. wissentlich gelogen, DIESE sind nach allen Erkenntnissen seit etlichen Tagen bereits beschädigt!
Die 2. genannte Erklärung (massive Probleme in einem oder mehreren Abklingbecken ist ebenfalls möglich und kaum besser, m.E. aber eher unwahrscheinlich. Eine „Überhitzung“ würde die Folgen nicht erklären, einen massiven Brand würde man sehen und die Radioaktivität in der Luft hätte in gleichem Maß zugenommen. Dies wird jedoch bisher nicht gemeldet.
Aufgrund der Tatsache, dass Block 3 der mit den MOX-Elementen ist, wird es zusätzlich zu einer zusätzlichen Belastung mit Plutonium in einem Maß geben, dessen Wirkung nicht abschätzbar ist.
(Ausgewertet wurden weitere zusätzlich Quellen wie z.B. SWR3-Rundfunk-Nachrichten und Hamburger Morgenpost)

„Erhebliche Schäden“ in Reaktor 3 festgestellt

(Tagesschau) 25.03.2011: Eine Verstrahlung von Arbeitern mit 10.000-fach erhöhter Radioaktivität im AKW Fukushima deutet nach Einschätzung der japanischen Behörden auf eine erhebliche Schädigung des Reaktorblocks 3 hin. Experten der Reaktorsicherheitsbehörde (NISA) vermuten entweder eine partielle Kernschmelze mit einer Beschädigung des Reaktorbehälters oder eine Überhitzung des Abklingbeckens für abgebrannte Kernbrennstäbe. Sollte dies zutreffen, müsse mit einem deutlichen Anstieg der Radioaktivität in der Umgebung des AKW gerechnet werden.

(Spon) 25.03.2011: Drei Arbeiter im Unglücks-AKW Fukushima sind in Reaktor 3 schwer verstrahlt worden. Nun wurde auch in den Blöcken 1 und 2 radioaktives Wasser entdeckt, die Arbeiten mussten unterbrochen werden. Der Betreiber Tepco gibt den Männern eine Mitschuld an ihren Verletzungen.
Neuer Rückschlag im Kampf gegen den drohenden Super-GAU: Im Unglücks-AKW Fukushima musste die Arbeit an den Reaktoren 1 und 2 gestoppt werden, weil im Untergeschoss der beiden Gebäude Wasser mit hoher Radioaktivität gefunden wurde, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Freitagnachmittag (Ortszeit).
Bereits am Donnerstag war es in Block 3 zu einem Zwischenfall mit stark erhöhter Strahlung gekommen: Drei Arbeiter standen beim Austausch eines Kabels in radioaktiv verseuchtem Wasser und waren dadurch einer extrem hohen Strahlenbelastung ausgesetzt. Nach Angaben des AKW-Betreibers Tepco wies das Wasser mit 3,9 Millionen Becquerel pro Kubikzentimeter eine 10.000-fach erhöhte Radioaktivität auf.
Die hohen Werte deuten nach einer Meldung Kyodos auf die Möglichkeit hin, dass Kernbrennstäbe im Reaktor 3 beschädigt worden sind und hohe Strahlung freisetzen. Ein Tepco-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, eine Beschädigung eines Reaktordruckbehälters im Block 3 sei „möglich“. In dem Behälter befinden sich Brennstäbe, die neben Uran auch hochradioaktives Plutonium enthalten.[1]

(FOCUS) 25.03.2011, 8.19 Uhr: Auch AKW-Betreiber Tepco spricht nun von einer möglichen Beschädigung des Reaktordruckbehälters in Block 3. „Es ist möglich, dass der Behälter in dem Reaktor, der die Brennstäbe enthält, beschädigt ist“, sagt ein Sprecher. Im Reaktor 3 von Fukushima enthalten die Brennstäbe neben Uran auch Plutonium, ein hochradioaktives, extrem giftiges Schwermetall.

(FOCUS) 25.03.2011, 07.32 Uhr: Stark radioaktiv belastetes Wasser hat nun auch die Arbeiten an den Reaktoren 1 und 2 im Atomkraftwerk Fukushima 1 gestoppt. Die Arbeiten mussten unterbrochen werden, nachdem dort Wasser mit hoher Radioaktivität gefunden worden war, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

(FOCUS) 25.03.2011, 07.09 Uhr: Der Kern eines Reaktors des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima Daiichi könnte laut der Vermutung eines Mitarbeiters der Atomsicherheitsbehörde beschädigt sein. Dabei handele es sich um Block 3. Sollte dies zutreffen, könnte die Radioaktivität in der Umgebung des Kraftwerks deutlich ansteigen.[2]


[1] https://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753058,00.html

[2] https://www.focus.de/panorama/welt/tsunami-in-japan/tid-21642/-live-ticker-japan-akw-betreiber-gibt-arbeitern-mitschuld_aid_607447.html

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Update 24.03.2011, 24:00 Uhr

Verstrahlte Arbeiter

Nach Stunden in kontaminiertem Wasser sind drei Arbeiter im Reaktor 3 der havarierten Atomkraftwerke in Fukushima Daiichi verstrahlt worden. Mehrfach wurde der Verdacht laut, dass die „Helden von Fukushima“ nicht ganz freiwillig dort Dienst tun.
Nach Angaben der japanischen Atomaufsichtsbehörde Nisa haben die drei Arbeiter eine Ortsdosis zwischen 170 und 186 Millisievert aufgenommen. Der Grenzwert für Arbeiten zur Abwendung einer atomaren Katastrophe liegt in Japan – wie auch in Deutschland – bei 250 Millisievert. Die Weltgesundheitsorganisation hält sogar 500 Millisievert in einer Krisensituation noch für vertretbar.
Die drei Arbeiter sollten von einem bereits verlegten Starkstromkabel am Block 3 weitere Kabel in das zerstörte Reaktorgebäude verlegen. Sie standen nach Informationen der Internationalen Atomenergieorganisation rund drei Stunden lang in kontaminiertem Wasser.
Vermutlich stammt das Wasser aus dem Brennelementebecken, in dem wie im Reaktorkern MOX-Brennelemente lagern, die einen höheren Plutoniumanteil haben als abgebrannte Uran-Brennelemente. [1] (Tagesspiegel)

24.03.2011, 17.45 Uhr: 17 Arbeiter haben laut Kyodo eine Strahlenbelastung von mehr als 100 Millisievert erlitten. Rund zwei Millisievert beträgt der Wert, den ein Mensch in Deutschland jährlich an natürlicher Hintergrundstrahlung abbekommt. (dpa, zitiert nach GP)
Zuvor waren mehrfach Fälle von Verstrahlungen von „zwei oder drei Arbeitern“ gemeldet worden …

Trinkwasserprobleme

24.03.2011, 17.45 Uhr: Wie Kyodo meldete ist zwar in Tokio die Belastung des Leitungswassers mit radioaktivem Jod wieder gesunken, dennoch wird in den Geschäften das Wasser knapp. Auch wurde eine erhöhte radioaktive Belastung in anderen Wasseraufbereitungsanlagen außerhalb von Tokio festgestellt. Dort sollen Babys das Wasser nicht trinken. (dpa, zitiert nach GP)

Weitere Evakuierung?

24.03.2011, 17:21 Uhr: Außerhalb der Evakuierungszone rund um das havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima I wächst die Angst vor radioaktiver Strahlung. Regierungssprecher Yukio Edano empfiehlt den Bewohnern in Windrichtung des Atomkraftwerks auch außerhalb eines Radius von 30 Kilometern, sich nicht im Freien aufzuhalten und die Fenster von Gebäuden geschlossen zu halten.
23 Abgeordnete aus dem Ober- und Unterhaus des Parlaments unterschrieben eine Petition, in der sie fordern, auch außerhalb des bisherigen Radius rund um das Kraftwerk die Evakuierung „drastisch voranzutreiben“. (FTD)

24.03.2011, 13:46 Uhr: Auch außerhalb der Sicherheitszone um das Atom-Wrack in Fukushima könnte nach Schätzungen der Regierung stark erhöhte radioaktive Strahlung auftreten. An manchen Orten, die weiter als 30 Kilometer von dem Kraftwerk entfernt seien, könnte die Strahlung zeitweise womöglich bei mehr als 100 Millisievert pro Stunde liegen, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Er bezog sich auf eine Computerprognose. Die natürliche Hintergrundstrahlung liegt bei etwa 2 Millisievert pro Jahr. (FTD)

Atom-Aus für die VAE?

24.03.2011, 15.59 Uhr: Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre Pläne für das erste Atomkraftwerk im Land nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima überprüfen. Das sagte der Generaldirektor der staatlichen Atomaufsichtsbehörde, William Travers. Das Land plant sein erstes Kernkraftwerks im Jahr 2017 in Betrieb zu nehmen. Nun sollen Erkenntnisse aus dem Unglück in Japan berücksichtigt werden. Außerdem werde intensiv über Sicherheitsstandards gesprochen. „Damit wird die Sicherheit in der friedlichen Nutzung der Atomenergie in den Emiraten erhöht“, sagte Travers. (Spon)

Jetzt auch Probleme an Block 5

24.03.2011, 13.58 Uhr: Heute gab es zum ersten Mal auch am bisher unversehrten Reaktor 5 Probleme. Auch dort ist nun das Pumpsystem des Reaktors nach Angaben der NISA defekt. Die Kühlung sei ausgefallen. Die Situation sei momentan stabil, es müsse aber mit steigenden Temperaturen sowohl im Reaktor als auch im Abklingbecken gerechnet werden.[2] (Blick)

Radioaktive Verseuchung des Meeres steigt

24.03.2011, 19:10 Uhr: Japanische Wissenschaftler haben 30 Kilometer vor der Küste Japans eine „nachweisbar“ erhöhte Konzentration von radioaktivem Jod und Cäsium 137 gemessen. Das bestätigte ein IAEA-Experte. „Die Jodkonzentration hat das von den japanischen Behörden vorgegebene Limit erreicht. Der Cäsiumwert liegt darunter,“ teilt die Atomaufsichtsbehörde mit. (FTD)

24.03.2011, 14.55 Uhr: Wie der Stromkonzern Tepco mitteilt steigt die Strahlenbelastung im Meer weiter an. An den Abflussrohren der Reaktorblöcke 1 bis 4 seien die Werte von radioaktivem Jod-131 etwa um das 150-fach erhöht, was jedoch keine Gefahr für den Menschen bedeute. (FOKUS online/dpa, zitiert nach GP)

Tepco pleite?

23. März 2011: Tepco hat sieben japanische Großbanken aufgefordert, ihm etwa 2 Billionen Yen (17,4 Milliarden Euro) an Krediten zur Verfügung zu stellen. Mit dem Geld will Tepco unter anderem die Aufräumarbeiten beim schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima bezahlen. Zudem braucht das Unternehmen auch Geld für die Reparatur weiterer beschädigter Kraftwerke. Außerdem könnten Schadensersatzforderungen auf das Unternehmen zukommen.
Ende Dezember verfügte das Energieunternehmen über Barreserven in Höhe von 670 Milliarden Yen. Da die Gefahr noch nicht gebannt ist, dass sich die atomare Krise in Fukushima verschärft, der Börsenwert des Unternehmens dramatisch eingebrochen ist und Schlampereien bei der Sicherheit sowie falsche oder verspätete Informationen das Vertrauen in Tepco zerstört haben, befürchtet das Unternehmen die Kosten anders nicht aufbringen zu können.
Die Finanzinstitute, die große Aktienpakete an Tepco halten, haben durch den Kurssturz an der Börse bereits Milliardenverluste erlitten. Als Rettungsanker stünde notfalls die öffentliche Hand bereit.
Der Tepco-Kurs unterlag extremen Schwankungen. Am 10. März, dem Tag vor dem Erdbeben, das das Atomkraftwerk Fukushima zerstörte, stand Tepco bei 2153 Yen. Den niedrigsten Stand gab es am 17. März, auf dem Höhepunkt der Ängste vor einer atomaren Katastrophe, mit 715 Yen.
Tepco ist das größte Energieunternehmen Japans und das viertgrößte der Welt. Das private Energieunternehmen betreibt insgesamt 17 atomare Reaktorblöcke und produziert damit in etwa den jährlichen Strombedarf eines Landes wie Italien.
Tepco hatte bereits vor der Katastrophe in Fukushima den Ruf, Pannen in seinen Atomanlagen zu vertuschen. 2002 gab es Sonderprüfungen bei allen 17 Tepco-Reaktoren, weil das Unternehmen Reaktordaten und Schadensberichte gefälscht hatte. Der Vorstandsvorsitzende und die verantwortlichen Manager mussten damals gehen. Doch auch in Fukushima hat Tepco bei den Kontrollen unmittelbar vor der Katastrophe geschlampt und Informationen nicht weitergegeben, wie in dieser Woche bekannt wurde.[3] (Quelle: FAZ.NET)

 


[1] https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/drei-arbeiter-in-fukushima-verstrahlt/3987204.html

[2] https://www.blick.ch/news/ausland/japan/japan-liveticker-168383

[3] https://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E8A36604547834F3581BB21E028C7B438~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Darstellung der Schäden in Fukushima I

Stand 24.3.2011, 22:00 Uhr, finden Sie hier. Die 2. Zeichnung zeigt die das vereinfachte Prinzip eines Siedewassserreaktors.

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Update 23.03.2011, 23:00

Update 23.03.2011, 23:00
Plutonium tritt vermutlich aus!

(Tagesthemen 23:00 Uhr) Der Brand am Reaktor 3 setzt offenbar auch Plutonium frei. Die Trinkwasserbelastung mit Iod und Cäsium in Tokio hat deutlich zugenommen. Angeblich sei das Wasser „nur“ für Säuglinge gefährlich.

 

Die Lage in Fukushima I

zeigt sich am Mittwoch, 23.3.2011, 21:00 Uhr wie folgt[1]:

Die Tabelle finden Sie hier

Tabelle wird bei Änderungen fortgeschrieben, die Informationen findet man
unter https://www.jaif.or.jp/english/.

Bewertung: Langsam wird zugegeben, wie schlimm es wirklich ist … Alle drei Reaktordruckbehälter (= Containments) sind beschädigt, es gibt keinerlei Information über sie bzgl. Wasserstand (vermutlich Null) und Druck (vermutlich hoch, immer noch steigend). Kernschmelzen laufen vermutlich in allen drei Reaktoren. Gelingt es nicht, die Reaktoren unter Kontrolle zu bekommen (m.E. besteht dazu keine Chance), so tritt in absehbarer Zeit (in den nächsten Tagen) eine Schmelze oder eine Explosion der Stahl-Druckbehälter ein. In beiden Fällen wird dann eine wesentlich größere Menge Radioaktivität freigesetzt werden, wobei eine Explosion verhängnisvoller wäre.


Vermutlich alle vier Abklingbecken sind beschädigt, in dem Block 4 hat es eine Wasserstoffexplosion gegeben. Dies legt nahe, dass auch hier eine zumindest teilweise Kernschmelze eingetreten ist. Die Kühlungen erfolgen nur durch Besprühen von außen.

Hohe Radioaktivität am AKW

Die selbe Quelle (https://www.jaif.or.jp/english/.) meldet Radioaktivitäts-Messwerte. Messwerte von 2 Millisievert pro Stunde am Atomkraftwerk sind mit Sicherheit nicht übertrieben.

Es handelt sich um Auskünfte des „Japan Atomic Industrial Forums“. Viele Zeitungen beziehen sich darauf, genauso wie das BMU. Spon meldete am 15.3. morgens 400 mSv/h in Fukushima I  (Zeitpunkt der Explosion und des Brandes an Block 4) und am 23. März 2011, 500 mSv Fukushima-Daiichi, an Reaktor 2 Kyodo News (zitiert nach: DER SPIEGEL)[3]

Das Japanische Gesundheitsministerium setzte die zulässige Gesamt-Äquivalentdosis für die im Kernkraftwerk tätigen Arbeiter von 100 auf 250 mSv/a herauf.[4] Bei zehn 12-Stunden-Schichten vor Ort treten erste Krankheitssymptome auf. Bei dieser Menge treten Veränderungen im Blutbild, eine Erkrankung an Leukämie droht.

Aus aktuellem Anlass soll nochmals auf den 16.03.2011 21:09 Uhr hingewiesen werden:

US-Regierung rät US-Bürgern im Umkreis von 80 KM um AKW Fukushima zur Evakuierung

Die US-Regierung rät US-Staatsbürgern, die sich im Umkreis von 80 Kilometern um das japanische Unglücks-Atomkraftwerk Fukushima befinden, das Gebiet zu verlassen. Zumindest sollten die Menschen in ihren Häusern bleiben. Die japanische Regierung hat dagegen zum Schutz vor radioaktiver Strahlung bisher nur Gebiete im Umkreis von 20 Kilometern evakuiert.[5]

Bewertung: Die Meldungen der letzten Tage zeigen, dass eine Evakuierung in dieser Zone sinnvoll wäre. Der einzige Grund, weshalb sie nicht durchgeführt liegt vermutlich in den wirtschaftlich verheerenden Folgen, es wäre ca. 1,9 Mio. Menschen – vermutlich dauerhaft oder zumindest für längere Zeit – zu evakuieren.

 

Zum Vergleich:

Die Anzahl der zu evakuierenden Personen bei einer schweren Störung im Kernkraftwerk Cattenom/Frankreich wie folgt:

Radius von 20 km:           9.386 Menschen in Deutschland,

Radius von 30 km:         58.881 Menschen in Deutschland,

Radius von 40 km:       173.182 Menschen in Deutschland,

Radius von 80 km:    1.363.169 Menschen in Deutschland.

(Dank an Stephanie Nabinger, LAG Ökologie Rheinland-Pfalz)


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Korrektur zu Update 18.3.2011 MIT Hintergründen

Die vorliegenden Meldungen von immerhin TAZ, NTV, SpON müssen vermutlich korrigiert werden und damit auch die Schlussfolgerung:

TEPCO verurteilt Arbeiter zum Tod!

Ich hatte das damals bereits mit Skepsis gesehen und formuliert (s. die vorgeschaltete Zeile). Gemeint war vermutlich 100 mSv/a als Grenzwert, nicht 100 mSv/h. Allerdings dürfte die Werte dann wiederum unrealistisch und kaum einzuhalten sein … Meine Wertung bzgl. der Todesfolge war ausdrücklich auf den gemeldeten Wert (100 mSv/h!)  bezogen. (Anm. – Stand 23.3.2011: Mittlerweile ist der Grenzwert auf 250 mSv/a erhöht worden, s.a. hier)

Ursprüngliche Meldung

„Tepco erhöht Grenzwerte“

(TAZ, NTV, SpON) Der AKW-Betreiber Tepco erhöht den Grenzwert der Strahlenbelastung für die Arbeiter auf 100 Millisievert pro Stunde.

(Anm.: Wenn diese Meldung stimmt, ist der Skandal perfekt: Falls die Arbeiter in 12 Stunden-Schichten im Einsatz sind, haben sie nach 3 Tagen eine Strahlung von 3,6 Sievert aufgenommen und erkranken an der Strahlenkrankheit! Etwa 50 % von ihnen wird dann in den nächsten Tagen sterben. Beruflich exponierte Personen dürfen in Deutschland in Einzelfällen mit bis zu 50 Millisievert pro Jahr belastet werden.)

Einige Grenzwerte im Vergleich:

allgemeine Bevölkerung:
Europa:  1mSv/Jahr

beruflich strahlenexponierte Personen:
Europa:  20mSv/Jahr
USA:     50mSv/Jahr

Bei Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren für Personen (§59 StrlSchV)
Deutschland:  einmal im Jahr  > 100mSv
Deutschland:  einmal im Leben > 250mSv
Japan:        150-250mSv (je nach Quelle)

Insofern bewegt sich Japan mit diesem Grenzwert innerhalb des üblichen Rahmens.  Wenn die Grenzwerte eingehalten werden, ist nicht davon auszugehen, dass japanische Arbeiter in den nächsten Tagen sterben werden.  Aus einer Einzeldosis von 200mSv ergibt sich allerdings ein Risiko von etwa 2% für eine tödliche Krebserkrankung in der Zukunft.

Anbei noch die Quellen zu den Grenzwerten für die Arbeiter:

SF (Schweizer Fernsehen):
„03:10 – Höhere Strahlengrenzwerte für Arbeiter
Ein grosses Problem ist der Schutz der Arbeiter an den havarierten Reaktoren vor der radioaktiven Strahlung. Tepco erhöhte die Obergrenze auf 150 Millisievert für bestimmte Noteinsätze. Die neue Vorgabe gelte «für einige Arbeiter im Ausseneinsatz, weil die aktuellen Probleme beispiellos sind und sofortige Massnahmen erfordern», zitierte NHK die Begründung des Energieversorgers Tepco. 150 Millisievert sind so viel, wie in Deutschland verteilt über die Spanne von 150 Jahren als gerade noch verträglich gelten würde.
NHK zufolge kündigte Tepco an, keinen Arbeiter erneut in den Einsatz zu schicken, falls er zuvor mehr als 100 Millisievert ausgesetzt worden war. Die 50 Arbeiter, die bisher in dem AKW verblieben waren, hatten Verstärkung bekommen: Am Freitag waren dort etwa 120 Männer eingesetzt.“
Quelle: https://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/03/19/International/Katastrophe-in-Japan/Japan-intensiviert-Kampf-gegen-drohenden-GAU

N-TV:
„+++ 17.21 Sechs Helfer bekommen hohe Strahlendosis ab +++
Bei den Rettungsarbeiten am Atomkraftwerk Fukushima bekommen sechs Arbeiter zu viel radioaktive Strahlung ab. Bei den Männern wurden mehr als 250 Millisievert gemessen, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Erst vor wenigen Stunden war der Grenzwert auf 150 Millisievert erhöht worden.“
Quelle: https://www.n-tv.de/Spezial/Japan-weitet-Evakuierungsradius-aus-article2810866.html

Hamburger Abendblatt
„14.42 Uhr: Die japanische Regierung hat die maximal zulässige Strahlenbelastung für Mitarbeiter in Atomanlagen mehr als verdoppelt. Das Ministerium für Arbeitsgesundheit begründete dies mit der Notwendigkeit, eine Verschlimmerung der Lage im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi zu verhindern. Die Erhöhung des Grenzwerts von 100 auf 250 Millisievert sei „unter den Umständen unvermeidbar“. Dennoch mussten wegen der hohen Strahlung in den nicht mehr ausreichend gekühlten Reaktoren in Fukushima-Daiichi die Arbeitskräfte zeitweise zurückgezogen werden.“
https://www.abendblatt.de/vermischtes/article1819934/AKW-Fukushima-Maximale-Grenzwerte-fuer-Mitarbeiter-erhoeht.html

Besten Dank an Thiemo Nagel, BAG Energie für die Rückmeldung