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Neues aus Japan

(Jutta Paulus)

ein paar zumeist weniger hübsche Neuigkeiten aus Japan

– TEPCO eröffnet ein zentrales Büro für Wiederaufbau in Fukushima. Langfristig sollen 4000 Menschen dort arbeiten und sich um den ordnungsgemäßen (!) Rückbau der Ruinen und um die Belange der BewohnerInnen der betroffenen Gebiete kümmern. Ob das hilft?
https://www3.nhk.or.jp/daily/english/20130104_23.html

– Mehr und mehr EinwohnerInnen lehnen die finanziellen Vergünstigungen für nahe AKW wohnende Menschen ab:
https://ajw.asahi.com/article/0311disaster/fukushima/AJ201301020092
Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, dass es die gibt! Ist eigentlich Schweige- bzw. Bestechungsgeld, und das wird vielen jetzt klar.

– US-amerikanische Matrosen verklagen TEPCO wegen Lügen hinsichtlich der radioaktiven Belastung. Sie waren an Bord des Flugzeugträgers Ronald Reagan auf humanitärer Mission nach 03/11. TEPCO und die japanische Regierung hatten die ganze Zeit erklärt, es bestünde keine Gefahr für die Helfenden. Die Seeleute klagen auf 100 Mio US-Dollar Entschädigung.
https://ajw.asahi.com/article/0311disaster/fukushima/AJ201212300020

– Ein Spezialteam aus USA war seit dem 16.03.2011 vor Ort, aber niemand im japanischen Krisenteam wusste zunächst davon (HÄ?). Die Messungen des Teams wurden nicht bzw. zu spät ausgewertet. Viele EinwohnerInnen wurden daher nicht evakuiert, trotz hoher Belastungen.
https://english.kyodonews.jp/news/2012/12/202165.html

– Bei Aufräumarbeiten wurden (und werden?) radioaktive Materialien nicht sachgemäß gesammelt. Die Auflagen des Umweltministeriums (welches auch für die Arbeiten bezahlt, anscheinend ist TEPCO da gar nicht gefordert) werden nicht beachtet. Reporter haben drastische Missstände beobachtet (belastete Erde wird in Flüsse oder in den Wald gekippt, es wird nur rund um die Messstellen dekontaminiert etc.). Auch hier das „alte“ Problem, welches auch in den AKW-Ruinen besteht: die beauftragten Firmen reichen an Subkontraktoren weiter, die Kette wird immer länger. Verantwortlich ist dann „niemand“, die eigentlichen Vorgaben kommen nie bei den ArbeiterInnen, die oft von der Straße weg engagiert werden, an; die VorarbeiterInnen wissen gar nicht, was Radioaktivität bedeutet oder anrichten kann. Zumal in Japan die Propaganda zu Gunsten der guten gesundheitlich unbedenklichen zivilen Atomkraft und in Kritik der bösen zerstörerischen Atombombe seit den 50er Jahren sehr prominent ist.
https://ajw.asahi.com/article/0311disaster/fukushima/AJ201301040058
https://ajw.asahi.com/article/0311disaster/fukushima/AJ201301040073
https://ajw.asahi.com/article/0311disaster/fukushima/AJ201301040076

– Arbeiter in den AKW-Ruinen wurden nicht ausreichend auf radioaktive Belastung überwacht. Die Strahlung wurde nur mit normalen Dosimetern, die an der Brust getragen wurden, aufgezeichnet. Spezielle Dosimeter für die Belastung der Extremitäten wurden erst Monate nach Beginn der Arbeiten ausgegeben. Dabei war die Belastung in Bodennähe teils wesentlich höher als in Brusthöhe.
https://mainichi.jp/english/english/newsselect/news/20130104p2a00m0na015000c.html
Die Übersichten von TEPCO schweigen dazu:
https://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/betu12_e/images/121227e0101.pdf

– Wasserproblem: Blöcke 1 – 3 werden momentan mit knapp 400 Kubikmeter/Tag gekühlt. Das Wasser läuft aus den durchlöcherten Druckbehältern heraus in die Keller. Von dort wird es in die Behandlungskaskade gegeben; Ergebnis ist hoch belasteter Schlamm (aus der Cäsiumfilteranlage, der in Containern gelagert wird), stark belastetes Wasser (aus Umkehrosmose und Aufkonzentration, welches ebenfalls gelagert wird) und schwach belastetes Wasser, welches wieder zur Kühlung verwendet wird. Da die Aufreinigungsanlage manchmal ausfällt oder gewartet werden muss, ist der Kreislauf nicht immer im Gleichgewicht. In diesem Fall pumpt man Wasser von Keller zu Keller (auch die Keller der Turbinengebäude werden „genutzt“), um den Wasserspiegel bei der Schwelle zu halten, bei der nichts überläuft und auch das Grundwasser nicht belastet wird (angeblich). Es soll Wald gerodet werden, damit man weitere Lagerbehälter unterbringen kann (das hab ich nicht von unten stehendem Link, weiß aber nimmer, wo ich es gelesen hatte).
https://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/betu12_e/images/121226e0501.pdf

Den Stahlträger, der ins Abklingbecken von Block 3 gestürzt ist (warum, hab ich nirgends gefunden), hat man mittlerweile wieder rausheben können. Nix Schlimmes passiert.

Atomstromfreie Grüße
Jutta Paulus

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