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Hintergrund-Info: Strahlung

Tabelle:     Krankheitsbilder (akute Strahlenschäden) bei Belastungen durch Strahlung

Schwellendosis 250 mSv u. a. Veränderungen
im Blutbild
Subletale[1] Dosis 1.000 mSv Haarausfall,
Appetitlosigkeit,
Brechdurchfall
Mitteletale Dosis 4.000 mSv Bei Nichtbehandlung
50 Prozent Todesfälle
Letale Dosis 7.000 mSv Bei Nichtbehandlung
100 Prozent Todesfälle

[1] „Letal“ bedeutet: tödlich, klingt aber sympathischer

Quelle: Bayrisches Ministerium für Umweltfragen: Strahlenschutz, Radioaktivität und Gesundheit, München, 1986 / mSv = Millisievert

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Die Strahlendosis ist ein Maß für die Belastung durch Radioaktivität. Gemessen wird grundsätzlich die Energie der absorbierten Strahlung pro Kilogramm Körpergewicht.

Um die Gefährlichkeit zu erfassen, wird die sogenannte Äquivalentdosis angegeben. Sie berücksichtigt die biologische Wirksamkeit: Bei gleicher Energie ist Alpha-Strahlung deutlich schädlicher als Beta- oder Gamma-Strahlung, deshalb auch die Äquivalentdosis größer. Die Einheit für die Äquivalentdosis heißt Sievert (Sv). Genauer ist die sog. effektive Dosis (ebenfalls in Sievert). Dabei wird die Wirkung auf die einzelnen Organe erfasst. Hierauf beziehen sich die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung. Menschen, die nicht im Kernkraft-Bereichen arbeiten dürfen pro Jahr mit maximal einem Millisievert (1/1000 Sievert) zusätzlich zur natürlichen Strahlung belastet werden. Die natürliche Strahlenbelastung (durch Minerlaine und Höhenstrahlung) liegt mehr als doppelt so hoch. Beruflich exponierte Personen dürfen in Einzelfällen mit bis zu 50 Millisievert pro Jahr belastet werden. Gemessen wird mittels Dosimetern – kleinen Messgeräten am Körper.

Eine weitere Messeinheit ist die Einheit Becquerel (Bq). Hier wird die Aktivität, also die Anzahl der radioaktiven Zerfälle pro Sekunde. Dies entspricht der Zählrate eines Geigerzählers.

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Radioaktivität ist immer mit Strahlung verbunden, die Strahlung ist Teil des Geschehens. Es wird unterschieden in:

̶        α (Alpha)–Strahlung: positiv geladene Heliumkerne. Hochgefährlich, aber extrem leicht abzuschirmen (Blatt Papier). Schädlich bei der Aufnahme über die Atmung oder die Ernährung;

̶        ß (Beta)–Strahlung: negativ geladenen Elektronen. Ebenfalls hochgefährlich, schon schwerer abzuschirmen, z. B. durch einige Millimeter dickes Aluminium. Schädlich bei Aufnahme durch Atmung oder Nahrung, kann auch über die Haut eindringen;

̶        γ (Gamma)–Strahlung: elektromagnetische Strahlung, vergleichbar mit Licht, Radio- oder – am besten – Röntgenwellen. Durchdringt fast alles, zur Abschirmung wäre dickes Blei erforderlich. Stark schädigend;

̶        Neutronenstrahlung; ungeladene Atomkernteilchen, wiederum leichter abzuschirmen als Gammastrahlung, trotzdem stark schädigend aufgrund der hohen Bewegungsenergie. Wenn Neutronen lebendes Gewebe treffen, richten sie größeren Schaden an als α-, ß- oder γ-Strahlung.

α-, ß- und Neutronen-Strahlung sind „Teilchen“-Strahlen, bei denen Materie transportiert wird. γ-Strahlung dagegen ist materiefrei. Bei radioaktiven Prozessen werden immer eine oder mehrere Strahlungsarten freigesetzt.

Durch die Explosion der Rektorcontainments werden vor allem offenbar auch hier wie in Tschernobyl Cäsium und Iod freigesetzt. Die radioaktiven Teilchen werden durch Abluft und Abwasser als über die Haut oder durch die Aufnahme mit Nahrung, Trinkwasser oder Atemluft aufgenommen. Das Jod-131 wird auf beiden Wegen aufgenommen. Es schädigt vor allem die Schilddrüse durch Beta- und Gamma-Strahlung. Das Cäsium-137 betrifft den gesamten Körper, vor allem das Muskelgewebe und die Leber, ebenfalls durch Beta- und Gamma-Strahlung.[1] Ein großes Problem 1986 war der „Expositionspfad“ des Jod-131: Durch den Wind herantransportiert, vom Regen ausgewaschen,[2] in den Boden und damit ins Gras gelangt und von Kühen gefressen, landete es letztendlich in der Milch. Diese war in jenen Tagen so hoch belastet, dass fast alle Molkereien den Betrieb einstellten.


[1] Bayrisches Ministerium für Umweltfragen: Strahlenschutz, Radioaktivität und Gesundheit, München, 1986

[2] Außer offenbar in Frankreich, dort wurde kontinuierlich gemeldet, es gäbe keinen messbaren Anstieg der Radioaktivität

Quelle: Störfall Atomkraft, S. 223f. bzw. 227

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