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Deutsche Siedewasserreaktoren

die tickenden Bomben sind:

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Japan: Klarstellungen und Hintergründe

1. „radioaktive Gefährdung“ Europas

Nachdem mehrfach in Erklärungen von einer „radioaktive Gefährdung“ Europas oder Deutschland durch die  Ereignisse in Japan berichtet oder davor gewarnt wurde, sei noch einmal deutlich klargestellt, dass DERZEIT dazu keinerlei Anlass besteht. Selbst die zu befürchtende Explosion eines oder mehrere Reaktor-Containements, die definitiv zu einer gewaltigen Freisetzung von Radioaktivität führen würde, hätte lediglich Auswirkung auf Japan selbst und je nach Windrichtung auf Ostasien, Ostrussland oder den nordpazifischen Raum bis ggf. zur US-Westküste.

Anders als in Tschernobyl ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mit keinem langandauernden Brand mit extrem hohen Temperaturen zu rechnen, DIESER war die Ursache für die Eintragung der Radioaktivität in die Jetstreams in 10 – 15 km Höhe und erst DADURCH kam es zur großflächigen Verteilung über fast ganz Europa und halb Asien.

 

2. Sprachregelung „GAU“ bzw. Auslegungsstörfall:

Def. Wikipedia: Ein Auslegungsstörfall (engl. Design Basis Accident) eines Kernkraftwerks (AKW, KKW), nach der Definition des Bundesamts für Strahlenschutz auch als größter anzunehmender Unfall (GAU) bezeichnet, ist der größte Unfall, „für den die Sicherheitssysteme noch ausgelegt sein müssen. Die Sicherheitssysteme müssen in einem solchen Fall gewährleisten, dass die Strahlenbelastung außerhalb der Anlage die nach der Strahlenschutzverordnung geltenden Störfallgrenzwerte nicht überschreitet.“[1]

Es ist somit der größte Unfall, der bei der Planung einer kerntechnischen Anlage anzunehmen ist und dessen Beherrschbarkeit im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nachzuweisen ist. Grundlage sind technisch-physikalische Modelle für einen technisch beherrschbaren Störfall. Darüber hinaus gibt es Störfälle, die von solchen Modellen nicht erfasst werden und zum technisch nicht mehr beherrschbaren Super-GAU führen.

Der Begriff Auslegungsstörfall wird von staatlichen Stellen und Kraftwerksbetreibern der bekannteren Bezeichnung GAU vorgezogen. Er weist darauf hin, dass es sich um Störfälle handelt, die bereits durch Analysen in der Planungsphase berücksichtigt wurden und gegen die Kraftwerke redundant ausgelegt sind.

Nach dieser allgemein gültigen Definition ist sowohl in Fukushima in sieben Reaktoren (drei waren abgeschaltet!) als auch in Tokai in einem Reaktor und in Onagawa in einer unbekannten Anzahl der Reaktoren der GAU eingetreten. In Fukushima wurde der Auslegungsstörfall in bisher mindestens zwei (wahrscheinlich in drei) Reaktoren überschritten. Der allgemeine Sprachgebrauch dafür sieht die Bezeichnung „Super-Gau“ vor, genauer, es liegt ein nicht mehr beherrschbarer Auslegungsstörfall vor!

 

3. Kernschmelzen

Die Wasserstoffexplosionen (s. 5.) in bisher zwei Reaktorgebäuden sowie die mehrfach gemeldete Freisetzung von Cäsium zeigt eindeutig und unabstreitbar, dass Kernschmelzen zumindest in den beiden Reaktorblöcken 1 und 3 in Fukushima I eingesetzt haben. Das mehrfache Abstreiten durch Betreiber und japanische Regierungsstellen zeigt die Unzuverlässigkeit dieser Stellen, denen nicht zu glauben ist. Darüber, wie weit die Kernschmelzen fortgeschritten sind und ob in weiteren Reaktoren Kernschmelzen eingetreten sind, kann bei der derzeitigen Informationslage nur spekuliert werden.

 

4. Radioaktivitäts-Freisetzung

Da es bei den Reaktoren in Fukushima sich ausschließlich um Siedewasserreaktoren handelt, die NUR über einen einzigen Primärkreislauf verfügen, ist bereits allein durch Explosion der beiden Reaktorgebäude in großem Umfang Radioaktivität freigesetzt wurden.

 

5. Weitere Gefahren

In allen Reaktoren mit Kühlungsproblemen bzw. -ausfällen muss mit Explosionen des Reaktor-Containments gerechnet werden. Man muss sich vorstellen, dass im (hoffentlich noch intakten) Reaktorgefäß die Kühlung nicht mehr ausreichend – oder gar nicht – funktioniert, sich die Brennstäbe damit überhitzen und zu schmelzen beginnen. Sobald das Uran aus den Stahl-ummantelten Brennstäben austritt (Stahl schmilzt bei ca. 1.500 °C), fängt es an durch Reaktion mit Wasser oder Luftfeuchtigkeit/Dampf zu brennen/oxidieren. DABEI entsteht der Wasserstoff, der bisher 2 x zu den Explosionen geführt hat (s. Punkt 3.). Damit ist belegt, dass zumindest eine einsetzende Kernschmelze in diesen Fällen vorliegt.

Auch der Stahl selbst brennt bei hohen Temperaturen und produziert Wasserstoff. Entweder tritt durch die bei der ersten Explosion zerstörten Leitungen Radioaktivität aus, oder es baut sich hoher Druck auf. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Es gibt eine weitere Wasserstoff- (Knallgas-) Explosion, die das Reaktorcontainment zerstört oder 2. es gibt aufgrund des hohen Druckes (mehrere Hundert bar) eine Druckexplosion des Containments. Zudem droht ein Durchschmelzen der Beton-Bodenwanne des Containments (China-Syndrom).

 

Quellen:

https://www.tagesschau.de/nachrichtenticker/

https://de.wikipedia.org/wiki/Kerntechnische_Anlage

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Hintergründe zu den Atomkatastrophen in Japan

1. Problem Siedewasserreaktoren

Die Tatsache, dass die betroffenen Reaktoren, zumindest in Fukushima, Siedewasserreaktoren sind, legt den Schluss nahe, dass bereits die Explosion des Reaktorgebäudes soviel Zerstörungen bewirkt hat, dass große Mengen an Radioaktivität freigesetzt wurden. Anders als bei einem Druckwasserreaktor muss das Reaktor-Containment selbst NICHT zerstört sein, um Radioaktivität freizusetzen:

Erl.: Siedewasserreaktoren

Man unterscheidet zwei unterschiedliche Bauarten der gebräuchlichen Atomreaktoren:

–       Siedewasserreaktoren

–       Druckwasserreaktoren.

Bei Druckwasserreaktoren wird das durch die atomare Kettenreaktion erhitzte Kühlwasser über einen Dampferzeuger geleitet. Der Dampferzeuger funktioniert im Prinzip wie ein Wärmetauscher: Das radioaktiv belastete Kühlwasser aus dem Reaktorkern gibt im Dampferzeuger seine Wärme über Wärmetauscherplatten an einen zweiten Wasserkreislauf ab. Der dort im zweiten Kreislauf erzeugte Dampf wird dann zur Turbine geleitet. So gelangt radioaktiv verseuchter Dampf nicht in die Turbine. Dieser Bautyp ist wegen der notwendigen zwei Wasser-Dampf-Kreisläufe aufwändiger beim Bau, aber weniger aufwändig beim Betrieb, da im Turbinenhaus keine Strahlung auftreten kann.

Bei Siedewasserreaktoren gibt es nur einen einzigen Wasser-Dampf-Kreislauf. Das durch die atomare Kettenreaktion erhitzte Kühlwasser verlässt als radioaktiv kontaminierter Dampf das Reaktordruckgefäß und treibt direkt die Turbine an. Die Dampfleitungen führen direkt durch den nicht-atomaren Teil. Das Turbinenhaus gehört durch die vom Dampf ausgehende Strahlung zum Kontrollbereich. Kontaminationen durch Undichtigkeiten erfordern in den nicht-atomaren Bereichen ständige Reinigungsarbeiten.[1]

 

2. Kernschmelze

Erl.:  Kernschmelze

Druckwasserreaktoren und Siedewasserreaktoren werden bei fehlendem Kühlwasser unterkritisch, das heißt, die Kettenreaktion/Energiegewinnung hört grundsätzlich auf. Allerdings findet eine Nachreaktion in den Stäben statt, dadurch wird weiter Wärme produziert. Dabei können die Brennstäbe so weit erhitzen, dass ihre Hüllrohre und auch der darin eingeschlossene Kernbrennstoff schmelzen und am Boden des Reaktorbehälters zusammenlaufen.

Sobald der Kernbrennstoff (z.B. Uran) freigesetzt ist, wird es besonders kritisch: Mit jeglichem Wasser, z.B. Luftfeuchtigkeit, Dampf etc. finden jetzt Rektionen statt, wie sie von der Schulchemie mit Kalium bekannt sind: Das hoch-reaktionsfähige Metall oxidiert (bindet den Sauerstoff)  und (der somit freigesetzte) Wasserstoff entsteht. DAS war z.B. der Wasserstoff, der in Fukushima 1 zur Explosion geführt hatte, also lief dort bereits eine Kernschmelze!

Das Not-Kühlen mit Meerwasser ist eine denkbar schlechte Lösung: Zum einen wird der Reaktor damit faktisch aufgegeben, da er soweit beschädigt wird (Korrosion), dass er nicht mehr verwendet werden kann. Andererseits wird dadurch der Spaltprozess (s.o.,) wieder in Gang gesetzt. Deshalb macht das nur Sinn, wenn dem Meerwasser Bor oder  ein anderes Material beigesetzt wird, mit dem Neutronen abgefangen werden können.

 

Falls das Reaktorcontainment bei einer Explosion zerstört wird oder die Auffangwanne unter dem Reaktorcontainment versagt, gelangen riesige Mengen Radioaktivität (und ggf. auch Plutonium) in die Luft oder ins Grundwasser.

 

3. Problem Plutonium

Mindestens ein Reaktor in Fukushima (Block 3) wird mit MOX-Brennelement betrieben, die Plutonium enthalten.

Aber auch im normalen Betrieb fällt Plutonium in großem Mengen an. Nach zwei Jahren Betriebszeit und zwei Jahren Lagerdauer enthalten die Uranbrennstäbe pro Tonne bis zu 10 kg Plutonium-Isotope, die sich abtrennen lassen. Die so gewonnenen Plutonium-Isotope sind durch Neutronenbeschuss wieder spaltbar, so dass eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Wie bei der Kernspaltung beim Uran entsteht Energie.[2] Nach mehreren Meldungen sind die Brennstäbe in Fukushima Block 1 schon lange in betrieb und werden daher relativ hohe Anreicherung an Plutonium enthalten.  (s.a. Update 13.3.2011, 16:00 Uhr)

 

4. Einschätzung der freigesetzten Strahlungsmengen:

In Fukushima wurden lt. verschiedenen Meldungen von sog „Ortsdosisleistungsmessungen“ mit Werten über 1,2 mSv/h gesprochen. Über eine Woche wäre das bereits ca. 200 mSv.

Tabelle 9[3]:    Krankheitsbilder (akute Strahlenschäden) bei
Belastungen durch Strahlung

Schwellendosis 250 mSv u. a. Veränderungen im Blutbild
Subletale[4] Dosis 1.000 mSv Haarausfall, Appetitlosigkeit, Brechdurchfall
Mitteletale Dosis 4.000 mSv Bei Nichtbehandlung 50 Prozent Todesfälle
Letale Dosis 7.000 mSv Bei Nichtbehandlung 100 Prozent Todesfälle

(Quelle: Bayrisches Ministerium für Umweltfragen: Strahlenschutz, Radioaktivität und Gesundheit, München, 1986 / mSv = Millisievert)

Die mittlere Jahresdosis für “Jedermann“ beträgt rund zwei Millisievert.[5]

Schon geringste Strahlungsmengen können fruchtschädigend wirken, deshalb sind Schwangere besonders gefährdet.

Bei Menschen, die während ihres Arbeitslebens 20 mSv aufnahmen (im gesamten Arbeitsleben wären das 1.000 mSv) liegt die Krebsrate zwischen vier und fünf Prozent. Eine neuere Studie der WHO (= Weltgesundheitsorganisation) schätzt die Rate sogar auf zehn bis zwölf Prozent.[6]

„Bei den Körperspätschäden (Krebs und Leukämie) lässt sich eine kritische Dosisschwelle nicht so klar definieren wie bei den Frühschäden“, gesteht selbst das Bayrische Umweltministerium in einer Broschüre zu, die 1986 nach Tschernobyl – offenbar zum Zweck der „Entwarnung“ – herausgegeben wurde.[7]

Für Anlieger von AKW gibt zwei Möglichkeiten, Strahlung aufzunehmen: Durch Abluft und Abwasser sowohl im Störfall als auch im geringen Maßen im Normalbetrieb über die Haut oder durch die Aufnahme mit Nahrung, Trinkwasser oder Atemluft.[8]

 

5. Folgen für Deutschland:

Die Radioaktivität, wenn es zu größeren Freisetzungen kommen sollte, wird Deutschland nur sehr stark eingeschränkt erreichen. Grund ist, dass anderes als in Tschernobyl, KEIN langandauernder Brand mit extrem hohen Temperaturen zu befürchten ist. Nur durch diesen sind die radioaktiven Partikel in Tschernobyl so weit in die Atmosphäre aufgestiegen, dass sie über die Jetstreams transportiert werden konnten.  Zu erwarten ist eher ein Ereignis wie in Majak, wo die Radioaktivität lokal (was durchaus auch Tokio usw. einschließen kann, d.h. bis zu mehreren Hundert km je nach Windrichtung) runterkommt. Einzig eine Explosion eines Reaktorcontainments und ein lang anhaltender Metallbrand des Reaktors (z.B. der Stahl des Containments, Stahl ist bei sehr hohen Temperaturen brennbar!) könnte das ändern, unwahrscheinlich, aber auszuschließen ist überhaupt nichts!


[1] Störfall Atomkraft, S. 102 f

[2] https://www.seilnacht.com/Lexikon/94Pluton.html

[3] Störfall Atomkraft, S. 224

[4] „Letal“ bedeutet: tödlich, klingt aber sympathischer

[5] https://www.bfs.de/bfs/druck/broschueren/str_u_strschutz.pdf

[6] Phönix, 6.1.2010, 23:48: „Schwedens heile Atomwelt“

[7] Bayrisches Ministerium für Umweltfragen: Strahlenschutz, Radioaktivität und Gesundheit, München, 1986

[8] zitiert nach „Störfall Atomkraft“, S. 227

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Hintergründe Störfälle

Mega-Erdbeben in Japan – Probleme bei den AKWs

Mega-Erdbeben in Japan – Probleme bei den AKWs

Als größte Gefahr kristallisiert sich die Störung in Fukushima I (=Daiichi) heraus. Nach dem Erdbeben in Japan läuft das Notkühlsystem des Atomkraftwerks Fukushima nach japanischen Informationen nur noch im Batteriebetrieb. Das Kühlwasser sei abgesunken – die Brennstäbe zum Teil sichtbar. Die Batterien lieferten nur noch Energie für wenige Stunden, erklärte die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln unter Verweis auf japanische Angaben.[1] Fukushima I (=Daiichi) besteht aus sechs Siedewasser-Reaktor-Blöcken. Ob nur einer der Blöcke oder alles sechs betroffen sind, ist bisher völlig unklar. Bei weiteren Problemen mit der Kühlwasserversorgung droht eine Kernschmelze!

Stunden nach dem schweren Erdbeben in Japan ist die Lage auch bezüglich Schäden in Atomkraftwerken noch völlig unübersichtlich. Zwar unterliegen die Bauvorschriften vor japanische AKWs strengsten Bestimmung in Punkto Erdbebenschutz, sie sind jedoch maximal nur für ein Beben der Stärke 7,75, in besonders gefährdeten Regionen für Beben bis 8,25 auf der Richter-Skala ausgelegt. Das Beben vom 11.3.2011 hatte eine allerdings Stärke von 8,8 bis 8,9.[2]

Der japanische Regierungschef Naoto Kan hatte nach dem verheerenden Erdbeben Atomalarm ausgerufen. Angeblich „seien jedoch keine radioaktiven Lecks in oder in der Nähe von Atomkraftwerken festgestellt worden, hieß es zunächst. Der Regierungschef habe den atomaren Notfall deswegen ausgerufen, damit die Behörden leicht Notfallmaßnahmen ergreifen können“, sagte Regierungssprecher Yukio Edano.[3]

Die FAZ meldet: Fünf (??) Reaktoren in der am schwersten betroffenen Region im Nordosten der Hauptinsel Honshu wurden automatisch heruntergefahren. [Anm. der Red.: Hier gibt es 14 Reaktoren!] Das Atomkraftwerk Onagawa besteht aus drei Reaktoren, die von 1984 bis 2002 an der Ostküste von Honshu gebaut wurden. Dabei handelt es sich um Siedewasserreaktoren. In Onagawa kam es in der Vergangenheit mehrmals zu Störfällen. … Die Anlagen könnten von der Flutwelle und den Erschütterungen erheblich beeinträchtigt worden sein.[4]

WELT u.a. melden: Es sind im Nordosten Japans mindestens vier Kernkraftwerke beschädigt worden. Mehrere Tausend Anwohner eines der beiden Atomkraftwerkblöcke in der Provinz Fukushima wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Grund sei die Angst vor einem möglichen radioaktiven Leck, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf lokale Behörden. In mindestens einem Reaktor ist die Kühlung ausgefallen. Wegen des Bebens hatten sich nach Angaben der Regierung in Tokio elf japanische Atomkraftwerke automatisch abgeschaltet. Am Atomkraftwerk Onagawa brach ein Feuer in einem Turbinengebäude aus, konnte aber inzwischen gelöscht werden.[5] [6] [7]

Das Risiko einer Kernschmelze mit anschließender radioaktiver Verstrahlung ist durch die automatische Schnellabschaltung von Reaktoren NICHT gelöst. Aufgrund der unkontrolliert freigesetzten Nachwärme besteht weiterhin eine hohe Gefahr,vor allem, wenn die Kühlung, wie offenbar zumindest in einem Block in der Region  Fukushima geschehen, ausfällt. Das wesentlich geringere Erdbeben der Stärke 6,6 im Juli 2007 in der Provinz Niigata führte in der aus sieben Reaktoren bestehenden weltgrößten Atomanlage Kashiwazaki-Kariwa zu etwa 50 technische Defekte registriert, die der Betreiber zunächst nicht gemeldet hatte.[8]

 

Als besonderes Problem könnte sich zeigen, dass alle betroffenen Reaktoren als Siedewasserreaktoren ausgeführt sind. Bei diesen wird der Wasserdampf zum Antrieb der Turbinen direkt radioaktiv erhitzt, während bei den in Europa gebräuchlicheren Druckwasserreaktoren ein weiterer Kreislauf dazwischen geschaltet ist, über den per Wärmetauscher der Wasserdampf erzeugt wird. Der radioaktive Kreislauf ist somit nicht auf den Sicherheitsbehälter beschränkt. Somit die die Gefahr einer Freisetzung von Radioaktivität bei Siedewasserreaktoren wesentlich höher!

 

 

Die japanischen AKWs in der am stärksten betroffenen Region:

Fukushima Daiichi: sechs Blöcke, Siedewasser-Reaktoren, ab Baujahr 1971

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Fukushima_Daiichi

 

Fukushima Daini: vier Blöcke, Siedewasser-Reaktoren, ab Baujahr 1982

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Fukushima_Daini

 

Onagawa: drei Blöcke, Siedewasser-Reaktoren, ab Baujahr 1984

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Onagawa

 

Tōkai: ein Block, Siedewasser, Baujahr 1966

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_T%C5%8Dkai

 

 

 

 

 

 

 


[1] https://www.tagesschau.de/ausland/erdbebenjapan110.html

[2] https://www.tagesschau.de/ausland/akwsicherheit104.html

[3] https://www.focus.de/panorama/welt/erdbeben-angst-vor-radioaktivem-leck-anwohner-auf-flucht_aid_607508.html

[4] https://www.faz.net/s/RubB08CD9E6B08746679EDCF370F87A4512/Doc~EE85CC7C71A9A4FCDA6B01FBC0B97E9AA~ATpl~Ecommon~Scontent.html

[5] Quelle: u.a. https://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article12776626/Japanische-Regierung-ruft-atomaren-Notstand-aus.html

[6] https://www.focus.de/panorama/welt/erdbeben-angst-vor-radioaktivem-leck-anwohner-auf-flucht_aid_607508.html

[7] https://www.sueddeutsche.de/panorama/erdbeben-zehn-meter-tsunami-trifft-japans-kueste-1.1070525

[8] https://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article12776626/Japanische-Regierung-ruft-atomaren-Notstand-aus.html

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Hintergründe Störfälle

IPPNW: (zum Film Restrisiko – SAT1) … Nach Vorfall im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld

IPPNW-Presseinformation vom 17. Januar 2011

Nach Vorfall im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld

„Restrisiko“ geht unter die Haut

Im bayerischen Atomkraftwerk Grafenrheinfeld gibt es möglicherweise einen sehr langen, umlaufenden Riss einer Rohrleitung, der zum Abriss der Leitung führen könnte. Monatelang wurde der Befund nicht richtig gemeldet und die Anlage aus rein wirtschaftlichen Gründen weiterbetrieben. Bis heute wurde die betreffende Stelle nicht so untersucht, dass ein Leck-Störfall tatsächlich ausgeschlossen werden kann. In jeder Risikostudie zählen Lecks im Bereich des Primärkreises zu den potenziellen Auslösern eines schweren Kernschmelzunfalls.

Zu einem solchen Leck-Störfall kommt es – wegen des alles dominierenden wirtschaftlichen Interesses des Betreibers – im Spielfilm „Restrisiko“ im fiktiven Atomkraftwerk „Oldenbüttel“, der morgen Abend ausgestrahlt wird (SAT.1, 18. Januar 2011, 20.15 Uhr). Das Vorstandsmitglied der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW, Reinhold Thiel, und IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz standen der Produktion beratend zur Seite. Sie nehmen zu „Restrisiko“ wie folgt Stellung:

Selbst wenn man sich schon seit Jahrzehnten mit dem Thema Atomenergie kritisch befasst, kann man nur sagen: „Restrisiko“ geht unter die Haut. Dies deswegen, weil der Film auf schlichte Gut-Böse-Schemata weitgehend verzichtet, weil er mit herausragenden Schauspielern brilliert und weil er mit einer spannenden Dramaturgie fesselt. Der Film ist insgesamt realitätsnah, wobei sich das eine oder andere technische Detail in der Realität ein wenig anders darstellt. Die bewusste Verfremdung an wenigen Stellen des Films dient dazu, übergeordnete reale Probleme filmisch-dramaturgisch vermitteln zu können. Das ist perfekt gelungen.

„Restrisiko“ arbeitet mit drei Figuren heraus, was das rein wirtschaftliche Interesse der Atomkraftwerksbetreiber an verlängerten Laufzeiten für die Verantwortlichen in den Atomkraftwerken vor Ort bedeutet: Der forsche Kraftwerksdirektor, der das Profitinteresse des Betreibers zu exekutieren hat; der leitende Ingenieur, den das schlechte Gewissen wegen menschlicher und technischer Fehler sowie wegen radioaktiven Freisetzungen plagt und der weiß, dass alte Atomkraftwerke abgeschaltet werden müssen. Und dazwischen die Sicherheitschefin, die zunächst zu leichtfertig an die Beherrschbarkeit der Atomenergie glaubt, ohne völlig verantwortungslos zu handeln, und die im Laufe der Zeit immer mehr begreift, dass von dem alten Atommeiler eine erhebliche Gefahr ausgeht, die es zu verhindern gilt.

„Restrisiko“ spielt vor dem Hintergrund, dass es in der Energiepolitik nur vordergründig um alle möglichen Aspekte geht, letztlich aber allein eines zählt: der schnöde Mammon, dem regelrecht alles untergeordnet wird – insbesondere die Sicherheit der Bevölkerung.

Realitätsnah ist der Film unter anderem auch deswegen, als nicht nur atomkritische Organisationen wie die IPPNW eindringlich vor gravierenden Sicherheitsdefiziten warnen. Auch Insider und Befürworter der Atomenergie halten – ganz ähnlich wie der Ingenieur im Film – den Weiterbetrieb der Siedewasserreaktor-Baulinie 69 für nicht länger verantwortbar. Im Oktober veröffentlichte ein ehemaliger Ingenieur des Atomkraftwerksherstellers Siemens gemeinsam mit neun anderen ausgewiesenen Fachleuten einen brisanten „Schwachstellenbericht“. Demnach muss in den Atommeilern Brunsbüttel, Isar-1, Philippsburg-1 und Krümmel mit einem Riss in einer Schweißnaht gerechnet werden – und zwar direkt am Reaktordruckbehälter. Denn dort können Spannungen von 326 Newton/mm2 auftreten, obwohl nur ein Wert von 177 zulässig und genehmigt ist.

Da ein solches Leck die Kühlfähigkeit des Reaktorkerns grundsätzlich in Frage stellt, muss mitten im dicht besiedelten Deutschland mit einem katastrophalen Atomunfall wie in Tschernobyl gerechnet werden – ein Horror-Szenario, welches der Film noch nicht einmal an die Wand malt. Im Film verläuft es glimpflicher.

Völlig zu Recht trifft der leitende Ingenieur im Film die Aussage, dass die Zeit dieser Atommeiler abgelaufen ist. In der Realität kommt der an dem „Schwachstellenbericht“ beteiligte Ingenieur ebenso zu dem Ergebnis, dass man den Weiterbetrieb der Siedewasserreaktoren der Baulinie 69 nicht länger verantworten kann.

Redaktionelle Hinweise:

Im Anschluss an die Ausstrahlung von Restrisiko folgt um 22.15 Uhr die Dokumentation „Restrisiko Atomkraft – Mit Sicherheit unsicher?“.

Den „Schwachstellenbericht Siedewasserreaktoren Baulinie 69“ finden Sie hier: https://www.ippnw.de/startseite/artikel/1f8648cb56/brisanter-schwachstellenbericht.html

Siehe auch „Nachrüstungsliste bestätigt wesentliche Biblis-Mängel“:  https://www.ippnw.de/startseite/artikel/0d757d07ac/nachruestungsliste-bestaetigt-wese.html

Kontakt:

Henrik Paulitz, IPPNW, Tel. 0032-485-866 129

Deutsche Sektion der Internationalen Aerzte

fuer die Verhuetung des Atomkrieges, Aerzte in

sozialer Verantwortung (IPPNW)

Koertestr. 10

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