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Gaddafi: Der libysche Diktator und die libysch-französische Atombombe

Gaddafi: Der libysche Diktator und die libysch-französische Atombombe
Was wäre wenn…

In der libyschen Hauptstadt Tripolis sterben Demonstranten und die Armee soll mit Kampfjets Demonstranten beschossen haben. Seit Beginn der Proteste, die sich gegen das Regime des selbsternannten Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi richten, sind nach Medienberichten 400 Menschen getötet worden. Genau wie zuvor in Tunesien und Ägypten wird der libysche Diktator von unseren Politikern und Medien endlich auch als Diktator bezeichnet und tatsächlich wird auch die bisherige perverse, feine Unterscheidung zwischen „guten und nützlichen“ Mördern und Diktatoren und „bösen“ Mördern und Diktatoren für vermutlich kurze Zeit öffentlich diskutiert.

Doch was wäre wenn, was wäre wenn Muammar al-Gaddafi über den Umweg der so genannten friedlichen Nutzung der Atomenergie zwischenzeitlich nach pakistanischem Vorbild im Besitz von Atomwaffen wäre?

Schon am 11.12.2007 haben die französische Umweltorganisation CSFR und der Bund für Umwelt und Naturschutz am Südlichen Oberrhein die gefährlichen Pläne des französischen Staatspräsidenten Sarkozy, Atomkraftwerke und damit Atomkraftwaffen nach Libyen und in andere Spannungsgebiete des Nahen Ostens zu exportieren, als Gefährdung des Weltfriedens scharf kritisiert. Die damalige Presseerklärung stieß auf keine große Resonanz, denn im Jahr 2007 war Herr Gaddafi gerade mal wieder ein „guter Diktator“ mit dem sich „gute Geschäfte“ machen ließen.

Heute dürfte die französische Regierung heilfroh sein, dass in Libyen und in den anderen Spannungsgebieten am Mittelmeer keine französischen Atomkraftwerke stehen, und dass die dortigen Nochdiktatoren nicht über Plutonium und Atomkraftwaffen verfügen.

Jean Jacques Rettig (CSFR), 0033388970707, Axel Mayer (BUND Regionalverband) 0761/30383

Hier finden Sie die Presseerklärung vom 11.12.2007: https://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/sarkozy-gaddafi-akw-epr.html


Gaddafi & Sarkozy: Der libysche Diktator und die libysch-französische Atombombe

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Hintergründe Laufzeitverlängerung Störfälle Terrorgefahr

Warum wird aktuelle Risikostudie nicht veröffentlicht?

Eine neu erstellte Risikostudie österreichischer Experten („FLAB DID II“-) über die alten deutschen Atomreaktoren wird nicht veröffentlicht, sondern als „Verschlusssache“ eingestuft. Die zuständigen deutschen Regierungsstellen haben einer Veröffentlichung widersprochen. Das brachte der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober am 24.2.2011 in einem Gespräch mit den Oberösterreich-Nachrichten an die Öffentlichkeit. Die Österreicher regt besonders auf, dass auch das bayrische AKW Isar 1 betroffen ist, das im Fall eines GAUs verheerende Auswirkungen auf Österreich hätte.

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Akualisierungen des Buches Hintergründe Terrorgefahr

Buch: ATOMWAFFEN FÜR AL QAIDA – AUSWERTUNG

Vorbemerkung:

Dieses hochinteressant Buch – mit allerdings etwas zu reißerischem Titel (in Wirklichkeit geht es um die mindestens genauso interessante Karriere des Kadir Khan) – ist mittlerweile, bis auf Amazons Verkaufseinträge und EINE einzige Erwähnung (Kulturmagazin Perlentaucher) nicht einmal mehr im Internet vorhanden … Völlig zu Unrecht. Zeichnet es doch DAS Bild der Proliferation der Atomtechnik der letzten 40 Jahre exakt nach. Um mit einer alten Mercedes-Werbung (oder Greenpeace) zu sprechen: „Proliferation hat einen Namen: Kadir Khan!“

Ich wollte ursprünglich die einzelnen Zusammenhänge in Aktualisierung meines Buches direkt einbauen, muss aber eingestehen, dass ich derzeit dazu die Zeit nicht finde 🙁 Daher vorab die Übersicht über die wichtigsten Stellen, die Seitenangaben beziehen sich auf das Original:

(Quellenangabe: Egmont R. Koch: Atomwaffen für Al Qaida – Auswertung, Aufbau-Verlag, Berlin, 2005)

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Das genannte Buch ist von Titel und teilweise von der pseudo-intivestigativen Schreibart her etwas reißerisch gestaltet. Das angekündigte Thema verbleibt weitgehend im Spekulativen und wird nicht nachhaltig belegt. Allerdings wird in hervorragender Art der Werdegang des „Dr. No“, Kadir Khan, und der Aufbau seines Proliferations-Netzwerkes dargestellt, schon allein deshalb ist das Buch lesenswert und als Quelle fast unverzichtbar.

Interessant ist die Tatsache, dass es kaum noch zu erhalten ist, selbst bei Amazon wurde es zwischenzeitlich  nicht angeboten, aber in einem Berliner Kaufhaus wurde es im Oktober 2010 für 3,90 verramscht ….

1. Al Qaida und die Bombe:

Zitat Osama bin Laden, Januar 1999: „Wir würden es nicht als Verbrechen ansehen, in den Besitz atomarer, biologischer oder chemischer Waffen zu gelangen.“ (in einem Interview der Newsweek vom 11.1.1999.)

Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes MI6 haben unter der Legende, sie seinen Terroristen und hätten Interesse an Atomtechnik oder spaltfähigem Material Kontakt Ende 2001 zu Kadir Khan und seinen Mitarbeitern aufgenommen. Laut Tenet (CIA-Chef) waren mindestens zwei der kontaktierten pakistanischen Atomwissenschaftler bereit und boten zudem noch Infos zu einer „schmutzigen Bombe“ als Extra an.

Nach mehreren – nicht bestandenen – Tests mit Lügendetektoren gaben zwei andere Wissenschaftler aus Khans Umfeld namens Mahmood und Majeed, zu, mit Bin Laden persönlich und mit Vertrauten von ihm über Massenvernichtungswaffen „Diskussionen akademischer Natur“ geführt zu haben. (S. 33)

Allerdings lehnte der pakistanische Geheimdienst eine Vernehmung der Wissenschaftler durch die CIA „brüsk“ ab. (S. 34)

100 Tage nach den Anschlägen des 11.9.2001 belegt das US-Außenministerium, dass Mahmood sich mehrfach mit Bin Laden und Mullah Omar getroffen hatte, um über die Herstellung von ABC-Waffen zu diskutieren.

2. Pakistan:

Das AKW Kanupp (Karachi Nuklear Power Plant) stand nicht unter IAEA-Kontrolle, daher konnte hier atomwaffenfähiges Plutonium abgezweigt werden. (S. 26). Allerdings gab es 1975 Probleme bei Lieferung einer französischen Wiederaufbereitungsanlage, die in Chashma am Indus gebaut werden sollte. Der Druck aus den USA gegen dieses Geschäft war offenbar zu groß geworden. (S. 66)

Unter der US-Regierung Carters setzen die USA dann endgültig das Scheitern dieses Projektes durch, allerdings nicht ohne dass offenbar eine Reihe von Plänen auf direktem Weg von Frankreich an Khan gelangten und sogar zwei Ingenieure für die weitere Entwicklung – des nun nicht zustande gekommenen Geschäftes – in Chashma stationiert wurden. (S. 83).

Die US-Präsidenten waren durch ein Gesetz des Abgeordneten Pressler genötigt, sich einmal pro Jahr in einer Regierungserklärung zum dem ihnen bekannten Stand des pakistanischen Atomprogramm zu äußern. Bis zum 1. Oktober 1990 taten sie dies, zuletzt wider besseres Wissen, in dem Sinn, ihnen sei nicht bekannt, dass Pakistan über Atomwaffen verfüge. Nach der Entwicklung des Frühjahrs 1990 war diese Erklärung beim besten Willen nicht mehr glaubwürdig abzugeben. Konsequenterweise informierte daher George Bush am 1. Oktober 1990, er könne die Erklärung, Pakistan besitze keine Atomwaffen, nicht mehr abgeben. Die Folge war eine drastische Verschlechterung des US-pakistanischen Verhältnisses, Gelder wurden gestrichen, Militärlieferungen ausgesetzt, u.a. weitere als Träger dringend benötigte F16-Kampfbomber. (S. 204)

1990 zähle Pakistan zu den 40 ärmsten Ländern der Welt: 45 % hatten keine ärztliche Versorgung oder sauberer Trinkwasser, 52 % aller Kinder waren mangelernährt. Aber Pakistan verfügte über rund ein Dutzend Kernwaffen! (S. 207)

3. Deutsche Beteiligungen:

Auch die deutschen Firmen Leybold-Heraeus (S. 83, 94, 125) und scheinbar auch Siemens (beim Bau einer Pilotanlage in Kahuta, S. 84) waren am Bau der pakistanischen Atomanlagen beteiligt.

Die Firmen CES Kalthof GmbH und Mebus Engineering werden genannt, in Verdacht zu stehen, am Bau einer UF6-Fabrik in Dera Ghazti Khan beteiligt gewesen zu sein.

Die Firma NTG Rudolf Ortmayer lieferte eine Tritium-Anlage (Tritium = überschwerer Wasserstoff, ein Proton mit 2 Neutronen, gebraucht als Neutronenquelle bei Atombomben) (S. 156ff)

Ringmagneten für die Zentrifugen wurden über die Türkei von der Firma Tridelta in Dortmund geliefert. (S. 244)

Die Firma Optronic GmbH in Königsbrunn bei Aalen lieferte 2003 22 t gehärtete Aluminiumrohre mit der Bezeichnung „6061-T6“ ohne Ausfuhrgenehmigung nach Nordkorea. Angeblich waren die Rohre als Tanks für chinesische Flugzeuge gedacht. Allerdings entsprachen sie genau dem Maß für die P1-Zentrifugen, deren Pläne Khan nach Nordkorea geliefert hatte. Der Inhalt hätte für bis zu 400 Zentrifugen gereicht. (S. 253f)

4. Terrorgefahr in den USA:

Angriff auf ein AKW am 11.9.2001: Bei den Planungen war ursprünglich auch ein AKW an der amerikanische Ostküste sowie das Weiße Haus“ einbezogen worden. Beide wurden in der endgültigen Planung wieder gestrichen, da – nach Meinung der Piloten – die Gefahr bestand, dass die Maschinen abgeschossen würden, bevor sie ihr Ziel erreicht hätten.

Am 2.12.2001 wurde die Gefahr eines Atombombenanschlages auf Washington so hoch eingeschätzt, dass der Vizepräsident Cheney und Hundert Beamten aus verschiedenen Ministerien als Ersatzregierung in eine weit entfernte Bunkeranlage, die für den Zweck des Schutzes vor Atomaren Angriffen gebaut worden war. (S. 36)

5. Kadir Khan:

Über eine Tochterfirma der „Verenigde Metaal-Fabrieken“ namens „Fysisch Dynamisch Onderzoeklaboratorium (FDO) bekam 1970 ungehinderten Zugang zur Urenco bei der Entwicklung von Kadir Khan als Metallurge ab März Hochgeschwindigkeitszentrifugen. In Almelo sollte damals das US-Monopol für angereichertes Spaltmaterial gebrochen werden. (S. 49)

Im November 1983 wurde Khan aufgrund des Diebstahls der Blaupause von Urenco wegen Spionage in Abwesenheit zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde 18 Monate später von der Berufungsinstanz aus formalen Gründen wieder aufgehoben, da nicht nachgewiesen werden konnte, dass Khan die Anklage termingerecht erhalten hätte.

Nach seinem nicht rühmlichen Ausscheiden bei FDO hatten weder Khan noch FDO baldmögliche geschäftliche Kontakte zu knüpfen. So lieferte FDO offenbar 1976 eine Präzisionsmaschine zur Zentrifugenherstellung, die von Urenco nicht abgenommen worden war. Als der Deal aufflog kam es nicht einmal zu einer Verurteilung der Beteiligten, da der Handel – zumindest nach der damals geltenden Rechtslage – legitim gewesen sei. (S. 72).

Dieses Rechtsproblematik sollte sich noch weiter verschärfen: So standen wohl komplette Hochgeschwindigkeitszentrifugen auf der entsprechenden IAEA-Exports-Verbots-Liste, nicht aber Teile von Zentrifugen, die dann problemlos im Empfängerland zu kompletten Zentrifugen zusammen gebaut werden konnten. (S. 77)

6. China:

Laut einer CIA-Analyse hat Khan das Bomben-„Design“ aus China bekommen. 2002 – 20 Jahre später wurden eben diese chinesischen Pläne bei der Beendigung des Atombombenprojektes Libyens übergeben. (S. 127)

7. Kriegsgefahr Indien – Pakistan:
Im Rahmen des Kashmirkonfliktes im Januar 1987 drohte der pakistanische Außenminister gegenüber dem indischen Botschafter mit dem Einsatz von Atomwaffen, falls Indien nicht seine Interventionstruppen aus dem Distrikt Kargil abziehen würde. Indien gab klein bei und zog ab. (S. 168)

Im Mai 1990 wurden Tausende von Arbeitern aus dem Atomfabrik Kahuta evakuiert, offensichtlich befürchtete die pakistanische Regierung einen Angriff. CIA-Auswerter bewerteten LKW-Transporte aus den Bergen Belutschistans zu einer nahe gelegenen Airbase als ein Beladen von F16-Bombern mit Atomwaffen. Die damalige Premierministerin, die in der atomaren Befehlskette offenbar überhaupt nichts zu melden hatte, war derzeit auf längerer Auslandsreise. Der CIA-Direktor William Webster stufte die Situation später „Gefährlicher als die Kuba-Krise“ ein. (S. 200 f)

Am 11. Mai 1998 belegte Indien mit drei fast zeitgleich gezündeten Atomsprengsätzen unterschiedlicher Bauart eindrucksvoll, dass die Gerüchte über die Entwicklung einer indischen Atombombe eben keine Gerüchte mehr waren, sondern harte Fakten. 25 Jahre zuvor hatte es den ersten Atomtest gegeben, damals noch sehr im geheimen. Nun war Indien offizielle Atommacht Nr. 7 und hatte eindrucksvoll seinen Anspruch auf die Führung auch auf diesem Gebiet in Südasien dokumentiert.

Aber Pakistan hält, wenn auch mit riesigem Aufwand dagegen: Am 28. und 30 Mai 1998 zündet Pakistan insgesamt sechs Sprengkörper (S. 219ff)

Am 2. Juli 1999 – wieder eskaliert, nach pakistanischer Provokation, der Konflikt im Kaschmir – drohte ein weiteres Mal ein Atomkrieg auf dem südasiatischen Subkontinent: Die CIA beobachtet da Scharfmachen und beschicken mit Atomsprengköpfen von „Ghauri“-Raketen, den pakistanischen Kurz??streckenraketen. Verantwortlich dafür ist offenkundig nicht der Präsident, eigentlich der erste Mann im Staat, Nawaz Sharif, sondern der Befehlshaber der Armee, Pervez Musharraf. Dieses Mal wird Pakistan von der Clinton-Regierung gezwungen, klein beizugeben. (S. 234f)

8. Iran:

1985 lieferte die Firma Leifeld aus Ahlen eine Maschine zur Herstellung von Zentrifugen-Rohlingen nach Teheran. Ferner wurde der Regierung in Teheran durch Erlanger Geschäftsmann Heinz Mebus, ein kompletter Satz Zentrifugen-Baupläne übergeben. Auch hier hatte Khan wieder seine Finger im Spiel. Im Frühjahr 1987 gab es eine regelrechte „Schulung“ für 33 iranischer Wissenschaftler in beiden Linien (Urananreicherung und Plutonium-Erbrütung) in Pakistan. (S 172 f)

9. Nordkorea:

1997 wurden mit Rückendeckung der Regierung Nawaz Sharif in Nordkorea gekaufte No Dong-Raketen mit der Lieferung von Anreicherungstechnik bezahlt. So wurden auf einer Airbase in Nordkorea Ende 1997 C-130-Transporter der pakistanischen Luftwaffe beobachtet, die offenbar nicht nur Raketen abtransportierten, sondern auch Ware anlieferten. Khans Netzwerk bestellte zu der Zeit mehr Zentrifugen-Bauteile im Ausland, als die Pakistani selbst verbauten. (S. 214f)

1999 verfügt Nordkorea über drei Plutoniumbomben oder Bomben-Attrappen, die Khan bei einem Besuch stolz vorgeführt werden. (S. 237)

Im April 2003 ließen nordkoreanische Diplomaten ihre US-amerikanischen Kollegen wissen, ihr Land besitze zwei Plutoniumbomben und arbeite an weiteren. (S. 254)

10. Südafrika

Südafrika unterzeichnete erst 1991 den Nichtverbreitungsvertrag. Unter der Aufsicht der IAEA wurde sieben fertige oder halbfertige Atombomben zerlegt, im März 1993 verkündete die Regierung de Klerk öffentlich das Ende des südafrikanischen Atomprogramms. (S. 257)

Sonstiges:

Im Oktober 1972 unterzeichnete die Bundesregierung Deutschlands und die Regierung Pakistans ein offizielles Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kernphysik. (S. 54)

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Was wäre wenn … GAU in Biblis:

Angenommen wurde bei der interaktiven GAU-Simulations-Karte von Greenpeace eine Kernschmelze bei offener Reaktorhülle, mit großer frühzeitiger Freisetzung von Radioaktivität. Dies wäre vergleichbar der Katastrophe von Tschernobyl 1986. Eine vergleichbare Katastrophe drohte in Biblis A bei dem „legendären“ Bedienungsfehler Dezember 1987 (s.a. S.: 93), wäre aber auch durch einen Terroranschlag, bereits mit einer kleineren Passagiermaschine, erreichbar.

Besonders berücksichtigt wird von Greenpeace dabei das Isotop Caesium 137 (Cs-137), das auch nach Tschernobyl, neben Jod (J-131) die entscheidende Rolle bei der radioaktiven Belastung spielte. Problematisch ist hier die Menge der Freisetzung und die vergleichsweise lange Halbwertszeit (s.a. S.: 57) von 30 Jahren. Beim sogenannten Fallout, also den radioaktiven Niederschlägen, setzen sich diese Stoffe am Erdboden ab, werden dort aufgenommen und gelangen in den Pflanzenkreislauf (und damit in die Nahrungskette, bei Wildfleisch, Waldfrüchte und Pilzen letztlich auch des Menschen). Die Folge: Nach Tschernobyl wurde in Deutschland der behördliche Schwellenwert für radioaktive Kontamination durch Cs-137 stellenweise um das Achtfache überschritten. Andere radioaktive Teilchen wie das erwähnte Jod, das kurzzeitig (Halbwertszeit: 8 Tage) zu einer noch deutlich höheren Belastung führt, aber aufgrund der kurzen Halbwertzeit schnell wieder verschwindet, sowie mögliche lange wirksame Stoffe werden nicht berücksichtigt. Sie würden die Situation mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest kurzfristig weiter dramatisch verschärfen.

Bei einem GAU, d.h. bei einer Kernschmelze mit der Freisetzung von großen Mengen an Radioaktivität, in Biblis wären bei Südwestwind folgende Städte mit einer Radioaktivität von mehr als 2.500.000 Bq/m2 verseucht (vorausgesetzt, der Wind weht kontinuierlich mehrere Tage aus der selben Richtung): Bei Westwind wäre dies: Darmstadt, Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, Nürnberg, Neustadt a.d.W., Ansbach, Amberg. Dieses Gebiet wäre selbst nach den alten sowjetischen Maßstäben auf Dauer unbewohnbar und muss entsiedelt werden.

Mit über 1.000.000 Bq/m2 belastet wäre: Kaiserslautern, Karlsruhe, Heilbronn, Würzburg, Bamberg und Klatovy in Tschechien. Das Gebiet in einem Sechseck mit den Eckpunkten: Kaiserlautern, Darmstadt, Karlsruhe Bamberg, Heilbronn und Tschechischer Grenze wäre auf Dauer unbewohnbar.

Mit über 555.000 Bq/m2 belastet ist die Fläche zwischen Kaiserslautern, Rastatt, Schweinfurt, Schwäbisch Hall, Regensburg, Bayreuth mit Verlängerung in die Tschechei bis Brno. Diese Fläche wurde in der Ukraine nach der Tschernobylkatastrophe dauerhaft evakuiert.

Ein Gebiet (Belastung über 37.000 Bq/m2, nach sowjetischer Behördendefinition: „Kontaminierte Fläche“) zwischen Franfurt, Stuttgart, Kulmbach und Ingolstadt, mit einer Verlängerung in Richtung Tschechei und Slowakei könnte nur unter stärksten Einschränkungen (wie keine Landwirtschaft, keine lange Aufenthalte im Freien, Filteranlagen für die Atemluft weiter bewohnt werden.

Zitat Erläuterungen Greenpeace: „Bei den Berechnungen für die Karte wurde eine schwerer Reaktorunfall mit Kernschmelze und offenem Containment bei fünfzigprozentiger Freisetzung des im Reaktor befindlichen Caesiums vorausgesetzt. Als Grundlage dienen reale Wetterdaten des Jahres 1995. Das Institut für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur in Wien hat anhand dieser Wetterdaten errechnet, wie sich die Wolke innerhalb von 10 Stunden an acht verschiedenen Tagen des Jahres ausgebreitet hätte. An jedem dieser Tage herrschte eine andere Hauptwindrichtung vor. Über Schaltflächen lässt sich das AKW auswählen und die Windrichtung einstellen. Die verschiedenen meteorologischen Bedingungen des jeweiligen Tages sorgen daher für ganz unterschiedliche Szenarien.“

Berücksichtigt man, dass in Tschernobyl etwa die dreifache Menge an Jod-131 im Vergleich zu Cs-137 freigesetzt wurde (3 · 1017 Becquerel Caesium-137, 2 . 1017 Becquerel Strontium-90 und 1 · 1018 Becquerel Iod-131; Quelle: https://www.chemievorlesung.uni-kiel.de/1992_umweltbelastung/radio1.htm),  es beim nächsten GAU vermutlich ähnlich sein wird  und  letztlich, dass für Jod-131 der Wirksamkeits-Umrechnungs-Faktor gilt: 1,3 bis 350 x 10-8 Sv/Bq Erwachsener bzw. Kleinkind, verschiedene Aufnahmepfade, (Quelle: https://www.mp.haw-hamburg.de/pers/Kaspar-Sickermann/kgs/dkgs10.html), so werden bei 1.000 Bq/m2 Strahlenbelastungen zwischen 13 mSv (Erwachsener, Einwirkung von außen) und 3.500 mSv (Kleinkind, über die Schilddrüse aufgenommen) wirksam. Zur Erinnerung, bis 500 mSv gibt es gesundheitliche Schädigungen (Änderungen im Blutbild), darüber hinaus bis 1.700 mSv starke gesundheitliche Beeinträchtigungen wie  die sog. Strahlenkrankheit (Erbrechen, Haarausfall, Müdigkeit), über 1.700 mSv sind häufig tödlich, ab 5.000 mSv sterben 50 % der Geschädigten innerhalb eine Monats.

Die zulässigen Grenzwerte für Arbeitnehmer, die beruflich Strahlenbelastungen ausgesetzt sind, liegen bei 20 mSv pro Jahr (= p.a.), max. sind in Ausnahmefällen bis zu 50 mSv/p.a. erlaubt.

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Hintergründe Terrorgefahr

Analyse: Flugzeugabsturz auf Biblis A

Dünner Beton, keine Notsteuerwarte, wenn Terroristen ein Anschlagsziel suchen, hier haben sie das Optimum

Das Öko-Institut Darmstadt hat eine Studie zu den Folgen eines Flugzeugabsturzes auf Biblis A erstellt und 2007 publiziert:

Analyse des Bedrohungspotenzials „gezielter Flugzeugabsturz“ am Beispiel der Anlage Biblis-A

Die Studie befindet sich hier und ist als pdf herunter zu laden.  Biblis A ist dabei wie die Siedewassereaktor-Anlagen Brunsbüttel, Isar 1 und Philippsburg 1 extrem gefährdet, vornehmlich durch die dünne Betonschicht. Bei Biblis A (und auch B) kommt hinzu, dass KEINE gesonderte, gebunkerte (also geschützte) Notsteuerwarte existiert. Die Steuerung soll im Katastrophenfall aus dem jeweils anderen Block erfolgen, im Fall eines Terroranschlages VÖLLIG unrealistisch …